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Karrierenetzwerk:Linkedin macht Elternschaft zum Job

Statt eine Lücke im Lebenslauf zu lassen, kann man nun "Stay-at-home-Mom" (oder -Dad) unter den Berufsbezeichnungen auswählen.

Von Kathrin Werner

Wer schon einmal eine so genannte Babypause eingelegt hat, weiß, dass die Ankunft der Minimenschen allerlei mit sich bringt, niedliche Grübchen auf Patschefingerknöcheln zum Beispiel, aber definitiv keine Pausen. Elternschaft ist mehr als ein Vollzeitjob, er hört nie auf, nicht einmal nachts um 3 Uhr, wenn man im fahlen Licht des Weckerdisplays das Baby stillt oder darauf wartet, dass der Teenager endlich von der Party nach Hause kommt. Wer eine angebliche 70-Stunden-Woche arbeitet und von work hard play hard fabuliert, sollte mal das Muttersein ausprobieren.

Es gibt dafür trotzdem einen Begriff, der auf fehlende Arbeit, mehr noch: fehlendes relevantes Leben, anspielt: "Lücke im Lebenslauf". Lücken finden sich vor allem in den Lebensläufen von Müttern. Bei Vätern, die in ihren zwei Elternzeitmonaten mit Kleinfamilie in Thailand urlauben und darüber noch ein Buch verfassen, fällt die Abwesenheit vom Berufsleben kaum auf.

Linkedin, das Karrierenetzwerk, in dem Personalabteilungen gerne Bewerberinnen und Bewerbern hinterher recherchieren, hat nun Begriffe für die "Lücke" eingeführt. Man kann nun "Stay-at-home-Mom" (oder -Dad) unter den vorgefertigten Jobtiteln auswählen. Das ist zwar gut gemeint, denn Linkedin will die "Babypause" enttabuisieren. Allerdings rieten Personalberater sofort davon ab, diese Begriffe tatsächlich in das Karriereprofil einzutragen. Die Forschung zeigt nämlich, dass Menschen, die für die Familie ihre Erwerbsarbeit unterbrechen, als weniger leistungsfähig und zuverlässig gelten. Und deutlich weniger verdienen.

Jedenfalls erinnert das Ganze an die alte Werbung, in der eine Frau Dank ihrer Vorwerk-Gerätschaften Essen zaubert, Bügelwäsche erledigt, ein durchgestyltes Wohnzimmer saugt und einem Anzugträger verschweigt, dass sie "nur Mutter" ist. Sondern: Kommunikationsbranche, Organisationsmanagement, blabla. "Ich führe ein sehr erfolgreiches, kleines Familienunternehmen."

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