Lebensversicherung Ein neues Modell

Illustration: Stefan Dimitrov

Anleger müssen sich Gedanken um ihre Geldanlage machen. Das einst liebste Produkt der Deutschen zur Altersvorsorge steckt in der Krise. Klassische Lebensversicherungen werfen kaum noch Renditen ab.

Von Viola Schenz

Die Lebensversicherung war lange Zeit der Liebling der Deutschen. Nicht nur der Kunden, sondern auch der Konzerne: Den Kunden sicherte sie feste Zinsen, den Versicherern ein gutes Geschäft. Doch diese Form der Altersvorsorge verliert ihren Reiz, die anhaltende Niedrigzinsphase fordert ihren Tribut. Die extrem niedrigen Zinsen machen es den Anbietern schwer, in der klassischen Lebensversicherung das Geld zu verdienen, das dem Kunden als Garantiezins einst bei Vertragsabschluss zugesichert wurde.

Die Deutschen sind tendenziell Anlagemuffel, sie hängen an ihren Lebensversicherungen und Sparkonten. Aber weder das eine noch das andere wirft noch eine befriedigende Rendite ab. Im internationalen Vergleich beschäftigen sich die Bundesbürger kaum mit alternativen Anlageformen. Bei einem Zinsniveau von einst vier Prozent und mehr brauchten sie das lange Zeit auch nicht. Die klassische Lebensversicherung hat über Jahrzehnte wie ein Rundum-Sorglos-Paket funktioniert.

"Man hat den Vertrag gezeichnet, und dann lehnte man sich entspannt zurück, weil die Versicherung alles geregelt hat", sagt Alexander Letzsch. "Es gab keinen Entscheidungsdruck, sondern den gesetzlich vorgeschriebenen Garantiezins." Letzsch ist Steuerjurist und hat sich auf die Strukturierung von Anlagen spezialisiert. Der 46-Jährige leitet das Deutschlandgeschäft von Lombard International Assurance, einem weltweit führenden Spezialanbieter für neue Formen von Lebensversicherungen. Lombard International Assurance wird von Investmentfonds getragen, die der amerikanische Investmentkonzern Blackstone managt.

Bereits 2005 haben neue Steuergesetze der Anlageform die Attraktivität genommen, nämlich die Steuerfreiheit der Renditen aus Lebensversicherungsverträgen nach einer Vertragslaufzeit von zwölf Jahren. Längst ist also klar, dass man für seine Altersvorsorge andere, größere Erträge will oder braucht, und dass die klassische Lebensversicherung eigentlich gestorben ist beziehungsweise einen langsamen Tod stirbt. In die Lücke, die hier entsteht, stoßen Anbieter wie Lombard. Sie haben eine neue Variante der Lebensversicherung entwickelt, und zwar eine Mischung aus Vermögensverwaltung und Versicherung. Diese verspricht Sicherheiten, Steueraufschub und höhere Renditechancen.

Allerdings müssen sich die Kunden um ihr Investitionswohl mitkümmern und mitentscheiden, was mit ihrem Vermögen passiert - sei es in Form fondsgebundener Investitionen oder einer standardisierten Strategie in der Vermögensverwaltung. Das neue Modell basiert darauf, Vermögenswerte verschiedener Klassen im gesetzlichen Rahmen, in eine Versicherungsform zu gießen, die in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern anerkannt ist. Und die problemlos mitgenommen werden kann, wenn etwa der Kunde von Berufs wegen in ein anderes Land versetzt wird . "Dabei werden die Vermögenswerte weiterhin von der geeigneten Bank verwaltet", erklärt Letzsch, "der Kunde muss nichts ändern. Er kann umziehen und muss während der Laufzeit der Lebensversicherung auch keine Steuererklärung abgeben, weil es zu einem Steueraufschub kommt." Ähnliches gilt etwa für Rentner, die für ein paar Jahre in Italien oder Spanien die Sonne genießen möchten und dann nach Deutschland zurückkehren. Laut Letzsch hat dieses Modell auch deswegen Zukunft, weil Karrieren und Lebensentwürfe immer internationaler und immer weniger vorhersehbar würden. Viele "normale" Banken und Lebensversicherer seien nicht flexibel genug. "Die meisten Banken sagen dann, dass sie diesen Kunden nicht behalten wollen, weil sie keine steuerkonforme Lösung anbieten können", so der Berater.

Auch Haftungsgründe im internationalen Bankenrecht schreckten viele Banken davon ab, solche Kunden weiter zu betreuen. Die Idee, in verschiedene Vermögenswerte, also Fonds, Aktien oder auch Immobilien und andere Sachwerte, im Rahmen einer Lebensversicherung zu investieren, unterscheidet sich grundlegend von der klassischen deutschen Lebensversicherung. Ein solches Anlagepaket beruht auf dem luxemburgischen Versicherungsrecht, das teils sehr viel strenger gehandhabt wird als das deutsche. So müssen in Luxemburg alle Versicherer vor Geschäftsaufnahme ihre finanzielle Stabilität ministeriell prüfen lassen. Auch wenn eine Genehmigung erfolgt ist, werden sie weiter von der Versicherungsaufsicht überprüft. Auch in Deutschland muss jeder Versicherer eine Genehmigung des Finanzministeriums vorweisen, die Überwachung erfolgt dann durch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen (BaFin). "Diese Aufsicht betrifft aber nur das generelle Verhalten des Versicherers in Bezug auf den gesamten Anlagepool, an dem der Versicherte beteiligt ist", erklärt Letzsch. Die Luxemburgische Aufsicht sei insofern strenger, als jede Versicherung als einzelnes Anlagekonto geführt werde und das Amt damit jeden Einzelfall kontrollieren könne.

In Zeiten der Niedrigzinsen ist die Vermögensanlage also komplizierter und aufwendiger geworden; es bieten sich aber beachtenswerte Möglichkeiten, sich seine Altersvorsorge ganz neu aufzubauen.