Krisentreffen mit Politikern und Gewerkschaften:Bahn will Chaos in Mainz bis Ende August beheben

Hauptbahnhof Mainz

Blick auf einen Bahnsteig am Mainzer Hauptbahnhof

(Foto: dpa)

Nach einem Krisentreffen ist Linderung in Sicht: Vom 17. August an wird der Bahnhof Mainz an Wochenenden wieder normal angefahren, Ende des Monats soll der Vollbetrieb wieder aufgenommen werden, kündigt die Deutsche Bahn an. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte den Konzern unter Druck gesetzt.

Die Bahn will das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof von kommender Woche an lindern, kann die Probleme aber nicht sofort lösen. Zum Schulbeginn am kommenden Montag würden die Züge zwischen sechs und acht Uhr morgens wieder zu 85 Prozent fahren, kündigten die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und DB-Netz-Chef Frank Sennhenn nach einem Krisengipfel in Mainz an.

Vom 17. August an solle dann an den Wochenenden wieder der Normalfahrplan gelten. In der letzten Augustwoche wolle die Bahn zum Vollbetrieb zurückkehren, falls es nicht zusätzliche Krankmeldungen der Fahrdienstleiter gebe. Dies sei noch nicht zufriedenstellend, aber "es gibt Linderung", sagte Dreyer.

Die Bahn reagiert damit auf die Probleme in Mainz: Wegen Personalmangels im Stellwerk müssen dort derzeit ganztägig Züge umgeleitet werden. Zunächst fehlten acht der 15 Mainzer Fahrdienstleiter, weil sieben im Urlaub oder krank waren. Mittlerweile arbeiten dort neun Fahrdienstleiter, einer sei aus dem Urlaub zurückgekommen, sagte Sennhenn. Bahnchef Rüdiger Grube sei auf die Fahrdienstleiter zugegangen, ohne sie zu zwingen.

Das Eisenbahn-Bundesamt hatte wegen des Debakels Druck auf die Deutsche Bahn gemacht. Die Aufsichtsbehörde schickte der DB Netz AG am Montag einen Bescheid - dieser weist die Bahn an, "den uneingeschränkten sicheren Betrieb des Stellwerks Mainz unverzüglich und ohne schuldhaftes Zögern wieder aufzunehmen", sagte ein Sprecher Süddeutsche.de. "Besetzungsbedingte Ausfälle" müsse die Bahn künftig verhindern.

Außerdem hat das Eisenbahn-Bundesamt die Bahn verpflichtet, fortlaufend über ihre Maßnahmen zu berichten. Die Bahn-Tochter DB Netz AG, die für das Zugnetz verantwortlich ist, werde durch den Bescheid verpflichtet, dem Bundesamt "alle zwei Wochen schriftlich über die getroffenen und geplanten Maßnahmen zur Verhinderung besetzungsbedingter Nutzungseinschränkungen des Stellwerks Mainz zu berichten", schreibt das Handelsblatt, das als erstes Medium aus dem Bescheid zitierte.

Bundesamt: Pflichtverstöße bei der Bahn

So könnte die Behörde weitere Schritte einleiten, wenn die DB Netz AG nicht "alles ihr Mögliche und Zumutbare in die Wege leiten sollte, um das Stellwerk so ausreichend zu besetzen, dass sicherer und regelgerechter Eisenbahnverkehr gewährleistet ist", hieß es von der Behörde.

Das Eisenbahn-Bundesamt kommt laut Handelsblatt zu dem Schluss, dass die DB Netz AG gegen ihre gesetzlichen Pflichten verstoßen hat. Das Unternehmen sei verpflichtet, das Stellwerk während der planmäßigen Betriebszeiten sicher zu betreiben, zitiert das Blatt aus dem Bescheid. Dazu gehöre auch, dass "genügend und qualifiziertes Personal zur Verfügung steht".

Tatsächlich sei die Situation in Stellenwerken bundesweit angespannt, sagte Bahnnetz-Chef Sennhenn. Deshalb stelle der Konzern mehr Mitarbeiter ein. In diesem Jahr will sie noch 340 neue Fahrdienstleiter einstellen, so dass 2013 insgesamt 600 Mitarbeiter in diesem Bereich hinzukommen. Zudem solle künftig besser vorgesorgt werden: Mitarbeiter in Stellwerken würden auch für die Arbeit in Einrichtungen in der Nähe ausgebildet.

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