Kreditinstitute HSH Nordbank könnte der Abwicklung entgehen

Wären die Gebote für die HSH Nordbank ausgeblieben, hätte dem Geldinstitut fast unmittelbar die Abwicklung gedroht

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Verbindliche Offer­ten bringen die Bank einer Privati­sie­rung einen großen Schritt näher.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Solche erfreulichen Botschaften haben die leidgeprüften Mitarbeiter der HSH Nordbank lange nicht gehört: Nach Eingang mehrerer Kaufangebote für das Geldhaus wandte sich Bankchef Stefan Ermisch am Montag gar per Videobotschaft an Belegschaft und Öffentlichkeit. Die verbindlichen Offer­ten brächten die Bank einer erfolg­rei­chen Privati­sie­rung einen großen Schritt näher, sagte Ermisch. "Was mich dabei vielleicht noch zuversichtlicher stimmt, ist, dass die Investoren einen ganz zukunftsorientierten Blick eingenommen haben, was die HSH Nordbank angeht, und weit nach vorne blicken". Und das, so der Bankchef, ließe weiter hoffen.

"Zukunftsorientiert", "weit nach vorne blicken" - das heißt schließlich auch: Wer auch immer der Käufer ist, er will den Laden offenbar nicht gleich wieder dicht machen und die Einzelteile verscherbeln.

Auch die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein als Verkäufer hatten am Sonntag sogleich erklärt, die Angebote seien eine "gute Grundlage, um den Verkaufsprozess fortzusetzen". Wären Gebote ausgeblieben, hätte der Bank mit ihren mehr als 2000 Mitarbeitern fast unmittelbar die Abwicklung gedroht - ein nicht ganz abwegiges Szenario angesichts möglicher Altlasten in der Bilanz. Bis zum Februar muss nun ein unterschriftsreifer Kaufvertrag ausverhandelt werden.

Bietergemeinschaft von Cerberus und J.C. Flowers

Wer genau nun die Gebote abgegeben hat, teilte die Behörde nicht mit. Nach SZ-Informationen haben aber wie erwartet mehrere Finanzinvestoren für das Geldhaus geboten und zwar sowohl für die profitable Kernbank als auch für die Abbaubank. Dem Vernehmen nach haben sich dabei überraschenderweise die US-Finanzinvestoren Cerberus und J. C. Flowers zu einer Bietergemeinschaft zusammengetan.

Flowers ist schon länger Minderheitseigner der HSH und hat ein Vorkaufsrecht. Bislang hatte es geheißen, Flowers biete zusammen mit dem US-Fonds Apollo. Diese Gemeinschaft geht nun aber wieder getrennte Wege. Auch Socrates Capital aus London, hinter dem ein bislang unbekannter Bieter steht, hat offenbar deutliches Interesse signalisiert.

Insidern zufolge liegen die Gebote sogar über dem von der EU-Kommission geforderten Kaufpreis von mindestens einem Euro für die Gesamtbank. Dass es die Bieter Ernst meinen, zeigt außerdem der Umstand, dass inzwischen mehrere von ihnen Investmentbanken als Berater beauftragt haben. Das machen Finanzinvestoren in der Regel erst relativ spät und nur, wenn sie ernsthafte Kaufabsichten haben. Die Hamburger Finanzbehörde wollte sich am Montag nicht zu den Informationen äußern.

Dass die Bank einen neuen Eigentümer bekommen muss, ist eine Auflage der EU-Kommission: Die erlaubte die Milliardenhilfen durch die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein während der Finanzkrise 2009 nur mit der Auflage, die Bank bis Februar 2018 zu verkaufen. Die Länder werden nun wohl in Kürze entscheiden, mit welchen Bietern sie in die weiteren Verhandlungen gehen.