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Krauss-Maffei Wegmann verklagt Ex-Manager:Der Rüstungsrentner

Kampfpanzer Leopard 2

Exportschlager Leopard II: 170 davon verkaufte der Rüstungskonzern KMW an Griechenland - dabei soll Schmiergeld geflossen sein.

(Foto: dpa)

Die Waffenschmiede KMW verklagt einen Ex-Manager, der in Schmiergeld-Deals mit Griechenland verwickelt sein soll. Der Mann ist mittlerweile im Ruhestand - doch der Ärger hört nicht auf: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung, der griechische Staat wegen Bestechung.

Von Klaus Ott

Das Verfahren mit dem Aktenzeichen 8 Ca 90/14 am Arbeitsgericht in Kassel ist ein verzwickter Fall mit vielen Facetten: Bestechung, Steuerhinterziehung und andere mutmaßliche Vergehen bei deutschen Panzer-Geschäften mit Griechenland. Ein Fall, der dem Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sehr viel Ärger bringen könnte, obwohl KMW doch Kläger und nicht Beklagter in Kassel ist.

Ein Fall, der mitten in die Panzerschmiede führt, wo eine Art Korruptionskartell existiert haben soll, das nun auffliegen könnte. 8 Ca 90/14, das ist ein geradezu teuflisches Aktenzeichen für einen der größten deutschen Rüstungskonzerne.

Der in München und Kassel ansässige Panzerbauer will einen Ex-Manager per Auskunftsklage zum Reden bringen. Der frühere Spitzenmann soll erklären, ob er sich vor mehr als zehn Jahren beim Verkauf von Panzerhaubitzen (PzH 2000) für 196 Millionen Euro nach Griechenland an Firmengeldern bereichert habe. Mit immerhin gut einer Million Euro, angeblich abgezweigt aus Schmiergeldmitteln. Das wäre dann Untreue gewesen, der Millionenbetrag müsste zurückgezahlt werden.

Der damalige Manager ist längst im Ruhestand

Die Auskunftsklage von KMW gegen den Ex-Manager ist der erste Schritt, um Geld einzutreiben, das dem Unternehmen zustehen soll. Würde die Geschäftsführung das nicht tun, würde sie ihre Dienstpflichten verletzen. KMW muss also klagen auch auf die Gefahr hin, dass der Ex-Manager tatsächlich auspackt.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Athen sollen von 2001 an mehrere Jahre lang Schmiergelder in Höhe von insgesamt mindestens 3,7 Millionen Euro geflossen sein, damit der griechische Staat die PzH 2000 von KMW kauft und nicht irgendein Konkurrenzprodukt. Ein Berater in Athen, der als Mittelsmann agierte, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe seine Honorare, die er von KMW bekam, auch dazu genutzt, Amtsträger zu bestechen.

Außerdem sollen den Ermittlungsergebnissen zufolge aus den teuren Beraterhonoraren von 2001 bis 2005 in fünf Tranchen insgesamt etwas mehr als eine Million Euro nach Deutschland zurücküberwiesen worden sein. An den früheren KMW-Manager nämlich, der längst im Ruhestand ist und nun von seinem Ex-Arbeitgeber in Kassel verklagt wird.

Der Rüstungsrentner hat noch sehr viel mehr Ärger. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn wegen Steuerhinterziehung, weil er das offenbar nebenbei kassierte Firmengeld dem Fiskus verschwiegen haben soll. Der ehemalige KMW-Mann hat im Januar 2014 Selbstanzeige bei den Finanzbehörden erstattet. Nun prüfen sie, ob die Selbstanzeige wirksam ist.

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