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Krankenversicherungen:Erhöhen im Gleichschritt

Gesundheitskarte

Lange Geschichte: Die neue Gesundheitskarte kommt - bestimmt.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Mal erwischt es die einen, mal die anderen: Die Beträge der gesetzlichen Krankenkassen steigen im Durchschnitt ähnlich stark wie die der Privaten.

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Bald bekommen viele Versicherte unangenehme Post von ihrem privaten Krankenversicherer (PKV): die Ankündigung, dass der Krankenversicherungsschutz im kommenden Jahr deutlich teurer wird. Wer dagegen bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, kann sich freuen, dass die Beiträge stabil bleiben - zumindest bis 2018.

Mal erwischt es die einen, mal die anderen. Wie eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV jetzt zeigt, unterscheiden sich die beiden Krankenversicherungssysteme bei der Entwicklung der Beiträge nicht besonders. Seit 2007 sind sie in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durchschnittlich leicht stärker gestiegen als bei den Privaten. In den Jahren davor war es umgekehrt. In Einzelfällen können die Anpassungen in der PKV aber drastisch sein.

Das Institut hat die Einnahmen auf die einzelnen Versicherten heruntergerechnet. Für den Zeitraum 2007 bis 2017 beläuft sich das Beitragsplus der GKV ohne den aus Steuermitteln finanzierten Zuschuss des Bundes pro Versichertem auf 3,2 Prozent. Berücksichtigt man den Zuschuss, sind es 3,8 Prozent. In der PKV beträgt der Wert 3,0 Prozent. Für 2016 und 2017 haben die Forscher die prognostizierten Erhöhungen veranschlagt, die jeweils bei den Privaten höher liegen.

Beide Versicherungssysteme haben das Problem, dass die Gesundheitsausgaben wachsen

Berechnung und Verwendung der Beiträge sowie der Leistungsumfang sind in GKV und PKV unterschiedlich. Beide aber haben das Problem, dass sie mit steigenden Ausgaben klarkommen müssen. Angesichts der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ist die kontinuierliche Steigerung der Beiträge nicht erstaunlich. Der GKV-Spitzenverband hält die für seine Kassen ermittelten Werte für plausibel.

Der Vergleich zeige, wie ähnlich sich die Beiträge entwickeln, sagt der Direktor des PKV-Verbands, Volker Leienbach. "Doch während die GKV jedes Jahr automatisch steigende Beiträge erhält, muss die PKV warten, bis die Kosten starre Schwellenwerte übersteigen." Leienbach verweist damit auf die regelmäßige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze der Gesetzlichen. Das ist die Grenze, bis zu der Angestellte Krankenversicherungsbeiträge auf ihr Einkommen zahlen müssen. Sie liegt zurzeit bei 50 850 Euro im Jahr und steigt 2017 auf 52 200 Euro. Durch die Anhebung der Grenze fließt auch dann mehr Geld an die Kassen, wenn der Beitragssatz unverändert bleibt. Zudem profitiert die GKV von den steigenden Einkommen.

In der PKV hängen die Beiträge von Alter und Geschlecht ab. Sie dürfen nur erhöht werden, wenn bestimmte Faktoren eintreten: starke Veränderungen bei den Schadenaufwendungen oder den Sterbewahrscheinlichkeiten. Dann müssen die Versicherer auch die Zinsentwicklung berücksichtigen, die ebenfalls die Höhe der Beiträge beeinflusst. "Durch diese nachholende Anpassung kann auf mehrere Jahre Beitragsstabilität unvermittelt ein abrupter Anstieg erfolgen", sagt Leienbach. Deshalb habe die Branche "in Einklang mit Verbraucherschützern" Vorschläge gemacht, wie sich die Entwicklung verstetigen lässt. Das habe die Politik bisher nicht aufgegriffen. "Die neuen Zahlen werden hoffentlich helfen, den Gesetzgeber zu überzeugen, dass es im Interesse der Versicherten hier handeln sollte."

© SZ vom 08.11.2016
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