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Nach Corona:Seltener, aber länger krank

Corona-Fragen

Eine Frage, eine Antwort: Ist der Krankenstand im Pandemie-Jahr 2020 zurückgegangen?

Von Francesca Polistina, München

Die gute Nachricht ist, dass es auch in der Pandemie gute Nachrichten gibt. Zum Beispiel diese: Die AHA-Regeln wirken, nicht nur gegen das gehassteste aller Viren, sondern auch gegen seine Konkurrenten. Zwar werden die Daten gerade noch ausgewertet, weshalb hier Vorsicht geboten ist. Die ersten Einschätzungen einiger Krankenkassen suggerieren aber, dass die Deutschen 2020 insgesamt weniger Krankheitstage gemeldet haben als in den Jahren zuvor.

So meldete die Techniker Krankenkasse (TK), Deutschlands größte gesetzliche Krankenversicherung, einen "deutlichen" Rückgang der Krankheitstage für das Jahr 2020. Laut einer Vorabauswertung ihres Gesundheitsreports war eine Erwerbsperson vergangenes Jahr durchschnittlich 15,1 Tage krankgemeldet, das heißt weniger als in den Jahren zuvor, als dieser Wert bei 15,4 (2019) und 15,5 Tagen (2018) lag. "Besonders Erkältungskrankheiten sind im letzten Jahr stark zurückgegangen", teilt die TK mit. Das bestätigt auch die Barmer: "In der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Krankschreibungen wegen Grippe mehr als halbiert", heißt es dort. Und tatsächlich: Das Robert-Koch-Institut meldet weiterhin wenige Grippefälle.

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Voriges Jahr gab es mehr Krankmeldungen wegen Rückenschmerzen.

(Foto: Thomas Trutschel/photothek/imago)

Ein Anlass zum Feiern, also? Nur teils. Denn der Eindruck, mitten in der Pandemie seien die Erberwerbstätigen gesünder, kann täuschen. Die Krankenkasse DAK kommt in einer Bayern-Analyse zu dem Ergebnis, dass die Versicherten im vergangenen Jahr seltener krankgeschrieben waren - dafür aber länger. Grund dafür seien vor allem die Rückenschmerzen wegen des Home-Offices und psychische Erkrankungen, Letztere erreichten 2020 einen neuen Höchststand und verursachten jeden sechsten Ausfalltag. Von "weniger Krankmeldungen, aber längere Krankheitsdauer wegen psychischer Erkrankungen", spricht auch die AOK in einer Auswertung vom vergangenen Oktober. Der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen habe im Pandemie-Jahr "einen weiteren Schub bekommen", so die AOK.

Außerdem ist die Bereitschaft, zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen, gesunken, wie einige Analysen zeigen - aus Angst, sich mit dem Virus zu infizieren. Weniger Krankheitstage mögen vielleicht erfreulich scheinen, sind aber langfristig nicht immer ein gutes Zeichen. So ging nicht nur der Krankenstand aufgrund einer Grippe zurück, sondern auch aufgrund von Krebs, heißt es von der Barmer. Nicht aber, weil es weniger Fälle gab, sondern wahrscheinlich, weil die Diagnosen später festgestellt wurden. Und insgesamt gilt: Eine verschleppte Krankheit führt häufig zu einem längeren Ausfall.

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