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Korruptionsaffäre um Technikchef:Flughafen-Aufsichtsrat trifft sich zu Sondersitzung

Hauptstadtflughafen BER

Blick in das Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg.

(Foto: dpa)

Wegen Korruptionsverdacht ist der Technikchef des neuen Berliner Flughafens beurlaubt. Das alte Problem mit der Brandschutzanlage ist noch da. Nun will sich der BER-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung treffen.

Nach dem Bekanntwerden eines Korruptionsverdachts am neuen Hauptstadtflughafen kommt der Aufsichtsrat am Montag zu einer Sondersitzung zusammen. Das teilte die brandenburgische Staatskanzlei mit. Der Aufsichtsratschef und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe die Sitzung einberufen. Flughafensprecher Ralf Kunkel bestätigte die Angaben. Die Sondersitzung soll um acht Uhr morgens beginnen und nur einen einzigen Tagesordnungspunkt haben: den Korruptionsverdacht gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann.

Dieser war am Dienstag von Flughafenchef Hartmut Mehdorn wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beurlaubt worden. Er steht im Verdacht, für die Vergabe eines lukrativen Auftrags 500 000 Euro verlangt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt wegen Bestechlichkeit. Nach ihren Erkenntnissen ist aber letztlich kein Geld geflossen.

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Er wollte das "Monster" Brandschutz bändigen - jetzt wühlt sich die Staatsanwaltschaft durch die Unterlagen des beurlaubten Technikchefs des Hauptstadtflughafens, Jochen Großmann. Im Aufsichtsrat sorgt man sich, dass es nun noch länger dauern könnte, bis der BER fertig ist.   Von Jens Schneider

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), verlangt nun eine umfassende Aufklärung der Korruptionsaffäre. Der Aufsichtsrat müsse sich detailliert mit den Vorfällen befassen, forderte Burkert im Inforadio des RBB. "Es braucht einen neuen Technikchef", sagte er. Auch der Bund als Eigentümer müsse vielleicht stärker in die Führungsrolle. Der Verkehrsausschuss werde sich noch im Juni mit der Situation befassen.

Auch die Grünen verlangen einen klaren Kurs für den Weiterbau. Mehdorn und Wowereit müssten am kommenden Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses dazu Stellung nehmen, sagte die Fraktionsvorsitzende Ramona Pop. Es sei zu fragen, nach welchen Plänen die komplexe Entrauchungsanlage des Flughafen-Terminals zu Ende gebaut werde.

In der Sondersitzung des Aufsichtsrats am Montag geht es darum, wie der Verdacht aufgedeckt wurde, ob es möglicherweise noch andere Fälle gibt und ob die internen Kontrollen ausreichen. Außerdem diskutieren Experten und Fachpolitiker darüber, ob sich die Eröffnung nach der Trennung von dem Technikchef weiter verzögert könnte. Eigentlich sollte der BER im Oktober 2011 eröffnen, der Termin wurde aber mehrfach und schließlich auf unbestimmte Zeit verschoben, weil der Brandschutz nicht funktioniert.

Hilfsangebot vom Entwickler

Großmann hatte die ursprüngliche Planung für die Brandschutzanlage über den Haufen geworfen. Weil diese Anlage nicht funktioniert, kann der neue Flughafen in Schönefeld seit zweieinhalb Jahren nicht in Betrieb gehen. Im Lichte des Korruptionsverdachts wurde die Frage laut, ob Großmann womöglich nur deshalb den Umbau der Entrauchungsanlage veranlasste, um bei den dafür nötigen Auftragsvergaben abzukassieren.

Am Donnerstag bot der Entwickler der umstrittenen Anlage seine Hilfe an. Alfredo Di Mauro war erst vor wenigen Wochen von der Flughafengesellschaft entlassen worden, weil Großmann seine Planungen für fehlerhaft hielt. Die Pläne des Ingenieurs landeten im Reißwolf. Di Mauro traut sich zu, die Entrauchung in Gang zu bekommen. "Ich stehe ab sofort parat", sagte er. Ein Flughafensprecher wollte das Angebot aber nicht kommentieren.