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Konzernchef Kley im Gespräch:"Merck ist kein Ponyhof"

Karl-Ludwig Kley, Chef des Pharmakonzerns Merck, über den Einfluss der Familie, die Verantwortung von Managern und die riskante Entwicklung neuer Arzneien.

Der Merck-Konzern, vor 340 Jahren aus einer Darmstädter Apotheke entstanden und damit älteste Pharmafirma der Welt, ist ein spezieller Fall im Dax: Die Aktien sind breit gestreut, doch die Geschicke bestimmt eine große Familie. Vorstandschef Karl-Ludwig Kley, 58, kündigt weiteres Wachstum an, auch per Zukäufe.

Er jongliert zwischen den Wünschen der Merck-Familie und der Geschäftsführung: Merck-Vorstandschef Karl-Ludwig Kley.

(Foto: Foto: APD)

SZ: Herr Kley, wie wichtig ist es in Krisenzeiten wie diesen, dass der Konzern mehrheitlich in Familienbesitz ist?

Kley: Ich bin froh, dass wir die Familie als Haupteigentümer haben - übrigens völlig unabhängig von Krisenzeiten. Das gilt immer.

SZ: Der Nachteil ist: Sie können nicht so frei agieren. Wie stark mischt sich die Familie ein?

Kley: Ich kann genauso frei agieren wie jeder Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft mit breit gestreutem Kapital. Die Art der Kommunikation ist anders. Ein professioneller Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft ist nicht täglich im Unternehmen. Die Familie dagegen versteht sich als Unternehmerfamilie und ist sehr präsent.

SZ: Wie oft treffen Sie sich denn mit Vertretern der Familie?

Kley: Wir treffen uns wöchentlich, spätestens alle zwei Wochen. Familie und Vorstand sind in ständigem Dialog. Es gibt sehr qualifizierte Gespräche - manchmal sind die kurz, manchmal tauschen wir uns sehr lange aus. Ich erlebe die Familie als sehr mit dem Unternehmen verbunden, sehr interessiert, sehr diskussionsfreudig.

SZ: Die Familie hat inzwischen rund 130 Gesellschafter. Wie stimmt man sich da ab - oder reagiert das Chaos?

Kley: Die Familie funktioniert wie eine repräsentative Demokratie. Sie wählt zwei Vertreter, die sprechen mit dem Vorstand und halten dann wieder Rücksprache mit der Familie. Alle haben eine klare Position - und sie stehen zum Unternehmen.