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Konten im Ausland:Zinsportal sieht keinen Grund für Zweifel am Geschäftsmodell

Ein anderes negatives Szenario ist für Nauhauser der Austritt eines Landes aus der EU. Nach dem Brexit sei dies keine Utopie mehr. "Was wird aus dem Ersparten von deutschen Anlegern, wenn das Land dann eine eigene, möglicherweise weiche Währung bekommt?", fragt er.

Der Verbraucherschützer hält Anlagen deutscher Sparer im europäischen Ausland deshalb für keineswegs so sicher, wie es Zinsportale wie Savedo oder auch der Marktführer Weltsparen suggerierten. Dieser hat inzwischen für mehr als 100 000 deutsche Kunden fünf Milliarden Euro an 45 Partnerbanken im europäischen Ausland vermittelt. Die estnische Versobank zählt allerdings nicht dazu.

"Die Zinsportale stellen naturgemäß die Sicherheit der europäischen Einlagensicherung in den Vordergrund, weisen aber nicht angemessen auf ihre Risiken hin", sagt Nauhauser. Zinsanlagen im europäischen Ausland empfiehlt der Verbraucherschützer nur solchen deutschen Sparern, die sich dieser Risiken, auch wenn sie für gering gehalten werden, voll bewusst seien. "Wer auf Sicherheit höchsten Wert legt, sollte sein Geld nur bei Banken mit deutscher Einlagensicherung anlegen", sagt er. Denn die deutsche Regierung habe bewiesen, dass sie für die Einlagen von Sparern notfalls auch mit Steuergeld garantieren würde. Außerdem könnten deutsche Sparer in Deutschland - anders als im Ausland - politischen Einfluss nehmen: Sie seien dort nämlich auch Wähler.

Ein Beispiel in Island illustriert Risiken

Das Zinsportal Savedo sieht indes keinen Grund, sein Geschäftsmodell zu ändern. "Banken können ausfallen, wie jeder andere Marktteilnehmer auch", sagt Chef Tiessen. Dafür gebe es die Einlagensicherung. Man weise deshalb jeden Kunden darauf hin, dass nur bis zu 100 000 Euro geschützt sind. Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl einer Bank sei für Savedo deshalb, wie Ratingagenturen die Bonität des Landes einstufen. Sie sei ein Indikator für die Stärke der Einlagensicherung. Verbraucherschützer Nauhauser hält Ratingnoten allerdings auch für kein absolut sicheres Instrument. Das habe sich zum Beispiel im Fall von Griechenland gezeigt.

Wie riskant es sein kann, Geld im Ausland anzulegen, zeigte sich vor zehn Jahren in Island. Damals waren die Kreditinstitute dort, vor allem die Kaupthing-Bank, mit hohen Zinsangeboten in die Offensive gegangen und hatten hohe Millionenbeträge eingesammelt, auch von deutschen Sparern. Als im September 2008 die weltweite Finanzkrise eskalierte, konnten sie die Einlagen nicht mehr zurückzahlen. Erst viel später zeigte sich, dass bei den Banken doch noch ausreichend Kapital vorhanden war, und die deutschen Sparer bekamen nach langem Zittern ihr Geld zurück.

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