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Konjunktur:Zahlen, die blenden

So schlecht klingen die Wirtschaftsdaten für 2008 eigentlich gar nicht. Doch Optimismus ist nicht angebracht - im Gegenteil. Jetzt soll es der private Konsument richten.

Es klingt ja alles gar nicht so schlecht: Um immerhin 1,3 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Jahr gewachsen. Außerdem war 2008 das Jahr mit den meisten Erwerbstätigen in der deutschen Geschichte: 40,4 Millionen Menschen gingen einer Beschäftigung nach, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete. Die Zahl der Arbeitslosen wiederum sank auf den niedrigsten Stand seit 1993. Und die Löhne stiegen so rasant wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Im Jahr 2009 wird die Wirtschaft massiv schrumpfen - nun sind die privaten Konsumenten gefragt.

(Foto: Foto: dpa)

Trotzdem lassen die Jahresdaten der Statistiker auf nichts Gutes hoffen: 2008 mag ein Jahr mit einigen schönen Bestmarken sein, aber es ist auch das Jahr, in dem Deutschland in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg abgerutscht ist. Dass das Bruttoinlandsprodukt, der Wert aller hergestellten Güter und aller Dienstleistungen, überhaupt noch so stark zugelegt hat, liegt nur an dem hervorragenden ersten Quartal. Seit dem zweiten Jahresviertel schrumpft die Wirtschaftsleistung, und für die Monate von Oktober bis Dezember rechnen Experten mit dem schlimmsten Rückgang seit 20 Jahren.

Die Entwicklung in Deutschland spiegelt die weltweite Entwicklung wider. Die Finanzkrise hat sich im Laufe des vergangenen Jahres zu einer regelrechten Weltwirtschaftskrise ausgeweitet; einst solide Staaten wie Island stehen vor dem Bankrott, in wichtigen Ländern wie Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder Russland ist die Wirtschaft abgestürzt. Diese Staaten sind bedeutende Absatzmärkte für Produkte made in Germany.

Knauserige Banken

Entsprechend schlecht laufen die Geschäfte der hiesigen Industrie. Der Auftragseingang ist innerhalb von zwölf Monaten elfmal gefallen, der Außenhandel hat im vorigen Jahr erstmals seit 2003 die Konjunktur nicht mehr angeschoben, sondern gebremst. Da mehr als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung in Deutschland vom Export abhängen, schlägt der globale Niedergang voll auf die Bundesrepublik durch.

In den kommenden Monaten ist keine Besserung zu erwarten. Die Ausfuhren werden schwach bleiben, und die Unternehmen werden sich bei Investitionen zurückhalten - zum einen, weil sie in der Krise keine Nachfrage für ihre Produkte sehen, zum anderen, weil die angeschlagenen Banken mit Krediten knausern. Lediglich die Verbraucher könnten die Konjunktur stützen: Während im Boomjahr 2007 die Konsumausgaben noch sanken, blieben sie im vergangenen Jahr immerhin stabil. Die Einkommen sind gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen ist gefallen - langsam könnten die Bürger ihren Käuferstreik beenden.

Doch selbst wenn die Verbraucher trotz der miesen Stimmung im Lande mehr Geld ausgeben, selbst wenn die zwei Konjunkturpakete der Regierung wie erhofft wirken: Den Absturz der deutschen Wirtschaft wird das höchstens ein wenig bremsen, keinesfalls aber stoppen. Solange die Weltwirtschaft am Boden liegt, geht es hierzulande nicht wieder aufwärts. 2008 gab es zumindest noch die ein oder andere erfreuliche Bestmarke, 2009 hingegen wird das Jahr der Negativrekorde.