ITA Airways:Glück gehabt, Lufthansa

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ITA Airways: Ein Airbus "320" von ITA Airways landet am Flughafen in Mailand.

Ein Airbus "320" von ITA Airways landet am Flughafen in Mailand.

(Foto: Markus Mainka/Imago)

Die Fluggesellschaft darf die italienische ITA Airways nicht kaufen. Das ist das Beste, was der Lufthansa passieren konnte. Nun muss sie daraus nur noch die richtigen Schlüsse ziehen.

Kommentar von Jens Flottau, Frankfurt

Die Idee, die staatliche italienische Fluggesellschaft zu erwerben, hatte sich in den Köpfen der Lufthansa-Manager schon vor vielen Jahren eingenistet. Der ehemalige Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber war einst tatsächlich nur Stunden davon entfernt, die Airline zu kaufen, als sie noch Alitalia hieß und der Inbegriff von Misswirtschaft war. Der Aufsichtsrat stoppte den Plan aber. Seit Monaten nun hat Lufthansa versucht, die auf den Trümmern der Alitalia neu gegründete ITA Airways zu übernehmen, um die Gruppe um eine weitere Fluglinie zu vergrößern.

Am Mittwoch nun hat die scheidende italienische Regierung unter Premierminister Mario Draghi entschieden, ITA Airways nicht an Lufthansa zu verkaufen, sondern exklusive Verhandlungen mit dem amerikanischen Fonds Certares zu beginnen, der mit Air France-KLM und Delta Air Lines verbandelt ist. Etwas Besseres hätte der Lufthansa gar nicht passieren können.

Die Argumente für einen Einstieg bei ITA waren von Anfang an nicht wirklich überzeugend. Konzernchef Carsten Spohr und seine Leute befanden, mit ITA würde die Lufthansa einen noch besseren Zugang zum großen italienischen Luftfahrtmarkt bekommen. Und immer wieder drang durch, dass man sich ITA schon alleine deswegen sichern müsse, damit Air France-KLM und Delta den Anbieter nicht bekommen würden.

Die ITA ist auch nur ein kleiner Anbieter unter vielen

Was den konkreten Fall angeht, so ist die Sache komplizierter als auf den ersten Blick ersichtlich: Italien ist als Markt prinzipiell für jede Airline interessant. Allerdings ist er auch schon sehr gut besetzt, vor allem von Billig-Airlines, die sogar das Inlandsgeschäft dominieren. Für einen vergleichsweise teuren Neuankömmling wie ITA bleibt nicht mehr viel übrig, allenfalls die Langstrecke. Doch die ITA ist auch nur ein kleiner Anbieter unter vielen, der auch in Zukunft kaum Gewinne erwirtschaften dürfte. Das wäre als Teil des Lufthansa-Konzerns nicht anders geworden.

ITA selbst hat in der kurzen Zeit seit den ersten Flügen vor einem Jahr Hunderte Millionen Euro verbrannt. Zum Teil ist das bei einer Neugründung verständlich, aber die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert - hohe Treibstoffkosten, steigende Zinsen, schlechte Wirtschaftslage. Certares hat angeboten, einer mutmaßlichen künftigen italienischen Rechtsregierung erhebliche Mitspracherecht bei ITA einzuräumen. Das aber kann nur schiefgehen.

Abgesehen von dem konkreten Fall war der Plan, ITA zu kaufen, alte Denkschule und vor allem darauf ausgerichtet, sich Marktanteile zu sichern. Aber warum eigentlich? Lufthansa hat in den vergangenen 15 Jahren mehrere Fluggesellschaften gekauft - Austrian, Swiss und Brussels Airlines. Ein finanzieller Erfolg ist bislang nur Swiss geworden, die von den spezifischen und vorteilhaften Bedingungen ihres Heimatmarktes profitiert. Austrian und Brussels sind auch heute noch Sanierungsfälle.

Dass Größe bei Airlines immer besser ist, bleibt weiterhin zu beweisen. Es gibt Beispiele, bei denen die Rechnung aufgegangen ist: In Europa ist das vor allem die International Airlines Group (IAG), die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus. In den USA machen die großen vier, also American, United, Delta und Southwest, in einem weitgehend konsolidierten Markt hohe Gewinne, doch davon ist Europa noch weit entfernt. Solange Regierungen wie in Italien weiter mitmischen, wird das auch so bleiben.

Schließlich: Lufthansa hat so viele eigene strukturelle Probleme, dass ein defizitärer, stark politisch beeinflusster und noch dazu ziemlich kleiner Konzernzugang wie ITA das Letzte gewesen wäre, was das Unternehmen noch gebraucht hätte. Lufthansa drücken nach der staatlichen Rettung in der Pandemie immense Schulden, gleichzeitig muss die Flotte dringend modernisiert werden, von den aktuellen Problemen im Service einmal ganz zu schweigen. Auch das Verhältnis zu den Mitarbeitern ist, gelinde gesagt, verbesserungsbedürftig. Es wäre also einfach einmal eine gute Strategie, zu versuchen, wieder eine richtig gute Airline zu werden. Dann ergibt sich der Rest meistens von alleine.

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