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Knorr-Bremse:Rückkehr in der Krise

Thiele hatte 2016 eigentlich seinen Rückzug angekündigt. Nun sitzt er erneut im Aufsichtsrat von Knorr-Bremse.

(Foto: Knorr-Bremse/AFP)

Heinz Hermann Thiele ist wieder Aufseher des Zulie­ferers. Der Konzern erwartet deutliche Einbrüche.

Von Dieter Sürig

Er war eigentlich nie weg, doch nun ist er auch offiziell wieder da: Heinz Hermann Thiele, der nach seinem spektakulären Lufthansa-Einstieg und dem Verkauf von Knorr-Bremse-Papieren sowie dem Börsengang 2018 immer noch etwa 65 Prozent der Anteile an dem Münchner Fahrzeugzulieferer besitzt, kehrt in den Aufsichtsrat zurück. Der 79-Jährige war bis März 2016 Chef des Gremiums und seitdem dessen Ehrenvorsitzender mit Beratervertrag. In der Corona-Krise sei Thiele eine "wichtige Unterstützung", sagte Aufsichtsratschef Klaus Mangold bei der virtuellen Hauptversammlung des Konzerns - vor allem im Hinblick auf Marktkenntnisse und Kundenbeziehungen.

Anscheinend hatte die Rückkehr des langjährigen Konzernchefs Fragen aufgeworfen, zumal Thiele 2016 einmal mehr seinen Rückzug angekündigt hatte. Dabei sei es "etwas ganz Natürliches, dass ein Hauptaktionär im Aufsichtsrat vertreten ist", sagte Mangold. Was fast wie eine Rechtfertigung klang, zumal Thiele später nur etwa 90,4 Prozent der Aktionärsstimmen bekam. Neben Thiele werden auch der Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer, 60, und Ex-Airbus-Chef Tom Enders, 61, in das Kontrollgremium einziehen. Mangold sprach gar von einer "Verjüngung des Aufsichtsrats", nachdem drei langjährige Aufsichtsräte der Jahrgänge 1947 und 1948 ihre Plätze räumen. Aber auch die Berufung von Enders scheint erklärungsbedürftig, der schon im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzt. Hier bestehe "keine Beziehung zu seinem Mandat", versicherte Mangold. Es habe bereits 2019 Gespräche gegeben, als sich Thiele noch nicht so mit der Lufthansa befasst habe wie jetzt. Dessen Erfahrungen im Konzern-Management und mit öffentlichen Auftraggebern seien entscheidend.

Wegen der Krise erwartet Vorstandschef Bernd Eulitz bei Umsatz und Gewinn für 2020 "eine deutliche Unterschreitung des Vorjahreswertes". 2019 hatte der Konzern den Umsatz um 4,8 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro gesteigert, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 12,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Einen Ausblick kündigte er für den 10. September zur Quartalsvorlage an.

Im ersten Quartal war der Umsatz wegen der Krise um 7,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gesunken, der Auftragseingang um 16 Prozent, das Ebitda um 13 Prozent. "Die Situation hat sich aber weitestgehend entspannt." Eulitz geht davon aus, dass der Konzern voraussichtlich auch für 2020 und Folgejahre "dividendenfähig" sein werde. Für 2019 schüttet der Konzern 290 Millionen Euro aus. Mangold hatte sich zuvor auch hierfür rechtfertigen müssen, weil der Konzern trotz Kurzarbeit Dividende zahlt: "Das Kurzarbeitergeld hat eher Versicherungscharakter als den Charakter einer staatlichen Zuwendung", sagte er.

© SZ vom 01.07.2020

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