Knorr-Bremse "Jeder Mitarbeiter soll 7000 Euro bekommen"

Eine Arbeiterin des Bremsenherstellers: Wenn es nach Knorr-Bremse geht, soll sie für den Börsengang keine Sonderzahlung bekommen.

(Foto: Matthias Doering/Bloomberg)

An diesem Freitag geht der Zulieferer an die Börse. Die Gewerkschaft wünscht sich daher eine Bonus-Zahlung. Der Erlös des Börsengangs wird sich auf knapp 3,9 Milliarden Euro belaufen.

Von Dieter Sürig

Direkt vor dem Börsengang des Fahrzeugzulieferers Knorr-Bremse haben die bei der IG Metall organisierten Mitarbeiter am Donnerstag gefordert, an dem Erlös des Aktienverkaufs beteiligt zu werden. "Jeder Mitarbeiter soll 7000 Euro Sonderausschüttung bekommen, was zwei durchschnittlichen Facharbeiterentgelten entspricht", heißt es in einer Erklärung der Industriegewerkschaft.

"Das Unternehmen ist außerordentlich erfolgreich, dies liegt auch am weit überproportionalen Engagement der Kolleginnen und Kollegen", sagt der IG-Metall-Unternehmensbeauftragte Sebastian Roloff. "Es ist nur angemessen, wenn die Beschäftigten jetzt wenigstens am Erlös des Börsengangs beteiligt werden."

"Eine Mitarbeiterbeteiligung wäre ein geschickter Weg, aus dieser Lage auszukommen."

Roloff, der Mitglied des Aufsichtsrats von Knorr Bremse ist, sieht eine Mitarbeiterbeteiligung auch positiv für das Image des Unternehmens. "Bisher dominieren 42-Stunden-Woche, keine Tarifbindung und sehr hohe Anforderungen das Bild von Knorr-Bremse im Betrieb und in der Öffentlichkeit. Eine Mitarbeiterbeteiligung wäre ein geschickter Weg, aus dieser Lage rauszukommen."

Das Unternehmen lehnt jedoch eine Sonderausschüttung ab. Bei einem Börsengang gebe es "keine Erlöse, an denen die Gesellschaft die Mitarbeiter beteiligen könnte. Sie fließen vollständig dem verkaufenden Aktionär zu", teilte Knorr-Bremse mit. Eine solche Erfolgsbeteiligung sei bei einem Börsengang "nicht marktüblich". Die Eigentümerholding hatte den Preis je Aktie auf 80 Euro festgelegt, es werden 48,36 Millionen Aktien platziert. Der Erlös würde sich damit auf fast 3,9 Milliarden Euro belaufen. Der Wert des Unternehmens würde auf dieser Basis etwa 12,9 Milliarden Euro betragen, 30 Prozent wären nach dem Börsengang in Streubesitz. 70 Prozent der Anteile werden im Besitz der Familie von Heinz Hermann Thiele bleiben. Mit einem Vermögen von 15 Milliarden Euro ist der 77 Jahre alte Thiele nach der jüngsten Rangliste des Manager Magazins der siebtreichste Deutsche. Ursprünglich nur Geschäftsführer bei Knorr-Bremse, hatte er 1986 die Mehrheit an dem angeschlagenen Unternehmen übernommen und es zu einem Weltkonzern mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro und 30 000 Mitarbeitern gemacht. Er will mit dem Börsengang sein Vermächtnis sichern.