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Klima:Corona drückt den CO₂-Ausstoß

Experten erwarten für dieses Jahr einen Rückgang des Energieverbrauchs von bis zu 17 Prozent.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die Corona-Krise dürfte die klimaschädlichen Emissionen Deutschlands noch stärker drücken als bislang gedacht. Das geht aus einer ersten Abschätzung für den deutschen Energieverbrauch in diesem Jahr hervor, den die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen am Dienstag vorgelegt hat. Demnach könnte der Verbrauch um bis zu zwölf Prozent einbrechen - dann nämlich, wenn der vorsichtigen Erholung der Wirtschaft eine weitere Zwangspause folgt. Folgt dagegen kein weiterer Einbruch, könnte das Minus bei rund sieben Prozent liegen. In den ersten sechs Monaten des Jahres lag der Rückgang des Verbrauchs bei 8,8 Prozent.

Das betrifft fossile Energieträger überdurchschnittlich stark. Vorrang im Netz haben erneuerbare Energien, die weiter einspeisen. Braun- und Steinkohlekraftwerke dagegen müssen ihre Leistung drosseln. Das wiederum ist gut für die deutsche Klimabilanz. Schon für das erste Halbjahr rechnet die Arbeitsgemeinschaft mit einem Rückgang der energiebedingten Emissionen um 13 Prozent. Je nach weiterem Verlauf der Krise könnte das Minus bis Jahresende 10 bis 17 Prozent betragen.

Die energiebedingten Emissionen, wie sie in fossilen Kraftwerken, aber auch in der Industrie und im Verkehr anfallen, machen den Löwenanteil der klimaschädlichen Emissionen aus. Schon im vorigen Jahr war der Ausstoß an Treibhausgasen hierzulande auf 805 Millionen Tonnen gefallen. Im Jahr 1990, auf das sich die derzeitigen Anstrengungen im Klimaschutz beziehen, lagen die Emissionen noch bei 1251 Millionen Tonnen. Daraus errechnet sich auch die aktuelle Zielmarke der deutschen Klimapolitik: Um bis Ende des Jahres ein Minus von 40 Prozent zu erreichen, müssten die Emissionen auf 750 Millionen Tonnen fallen.

Dieses Ziel dürfte nun sicher erreicht werden, um den Preis freilich einer arg gebeutelten Wirtschaft. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass die Preise für CO₂-Zertifikate im EU-Emissionshandel inzwischen wieder fast auf dem Vor-Corona-Niveau angelangt sind - ungeachtet der gesunkenen Nachfrage nach Energie. Das verteuert vor allem Brennstoffe, die hohe Emissionen verursachen, wie Braunkohle. Ihr Verbrauch sank um mehr als 35 Prozent.

Auch der Mineralöl-Verbrauch ging stark zurück, den Zahlen zufolge um 6,7 Prozent. Durch den Einbruch des Flugverkehrs sank allein hier der Absatz an Kerosin um 46 Prozent. Anders beim Heizöl: Hier stieg die Nachfrage um 28 Prozent. Viele Verbraucher hätten die niedrigen Ölpreise offenbar genutzt, um Vorräte aufzustocken, vermutet die Arbeitsgemeinschaft.

© SZ vom 05.08.2020

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