Karstadt-Investor Berggruen Auf den Spuren von Jimi Hendrix

Fatale PR-Strategie: Investor Nicolas Berggruen feiert in Saint-Tropez eine Hippieparty, obwohl der ganze Karstadt-Deal noch platzen kann. Der Mann der Gastgeberin war klüger.

Ein Kommentar von Melanie Ahlemeier

Das Foto sagt mehr als 1000 Worte. Lederbändchen um die Stirn, lange Kette, das Hemd cool weit offen, statt Anzughose lässige Jeans, das Ganze erinnert an den frühen Jimi Hendrix - so posiert Karstadt-möchte-gern-Käufer Nicolas Berggruen.

Die Party am Wochenende dürfte hübsch ausgelassen gewesen sein, die Rahmenbedingungen stimmten: Saint-Tropez, eine komfortable Villa, und aus den Lautsprechern die passende Musik zur Hippie-Motto-Party. Ach, die Welt kann so schön sein, mag sich Berggruen, der Bummler zwischen den Welten, gedacht haben, als er die Sängerin Fernanda Brandao im Arm hielt und der Fotograf das Bild schoss.

Die Party ist zwar längst vorbei, aber die Kopfschmerzen dauern an - vor allem jetzt, nachdem das Foto in der Wirtschaftspresse auftauchte. Denn der Party-Auftritt offenbart einmal mehr, wie katastrophal sich der coole Kapitalist auf seinen Einstieg bei der maroden Essener Handelskette vorbereitet hat: gar nicht.

Ein knallhartes Konzept für Karstadts Zukunft? Ein klarer Zeitplan für die Übernahme? Zweimal Fehlanzeige.

Mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet - dahinter steht vor allem Goldman Sachs - hat sich Investor Berggruen nach langem Gerangel endlich geeinigt, doch mit der Valovis-Bank kommt er nicht voran. Und jetzt könnte auch noch der Warenhausbetreiber Borletti querschießen. Am Wochenende waren die Italiener plötzlich als Interessent auf der von Berggruens Heiligenschein verblendeten Oberfläche aufgetaucht.

Statt akribischer Verhandlung um Karstadt also lieber Party im Kosmos der Schönen und der Reichen. Was für ein Signal! Berggruen hätte wissen müssen, wie sein Hippie-Foto von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. 25.000 Karstadt-Jobs stehen auf der Kippe.

Der Versuch, das nun endgültig missratene Öffentlichkeitsbild ansatzweise wieder geradezurücken, ist armselig, mehr nicht. Berggruen sei "überhaupt kein Partygänger und alles andere als ein Playboy", verbreitet dessen PR-Stratege. Und: "Herr Berggruen ist ein sehr harter Arbeiter." Angesichts der Partybilder fällt das schwer zu glauben.

Vielleicht hätte Nicolas Berggruen sich von Gastgeberin Andrea Dibelius das Prinzip Krisenkommunikation bei einer Unternehmensübernahme einfach mal erklären lassen sollen. Der Ehemann der Einladenden von Saint-Tropez ist kein geringerer als Goldman-Sachs-Chef Alexander Dibelius. Er ist der Mann hinter Highstreet. Für Flower-Power-Partys an der Côte d'Azur fehlt dem Investmentbanker schlicht die Zeit. Er versäumte das Hippie-Gedächtnisfest, vielleicht hatte er aber auch einfach keine Lust auf peinliche Fotos.

Mit Blumen im Haar will dieser harte Arbeiter des Kapitals nichts zu tun haben.

Kampf um Karstadt

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