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Karstadt-Investor Berggruen:Ein Mann zwischen Kunst und Cash

Mit Nicolas Berggruen bekommt Karstadt einen Weltenbürger als neuen Eigner. Doch der Mann, der ein Leben als Jetsetter führt, ist ein seriöser und langfristig denkender Investor.

Der Mann kam aus dem Nichts. Kurz vor den Pfingstfeiertagen, nur eine Woche vor Ende der Verkaufsfrist, unterbreitete der Investor dem Verwalter der insolventen Warenhauskette Karstadt ein Übernahmeangebot für die zum Verkauf stehenden 120 Warenhäuser.

Berggruen erhält Zuschlag bei Karstadt

Berlin verbunden: Nicolas Berggruen erhält den Kulturpreis 'Berliner Zugpferd'.

(Foto: dpa)

Das Nichts ist bei Nicolas Berggruen allerdings die Tiefe des Raumes - der Mann ist ein Weltenbürger. "Berlin, Tel Aviv, New York - zu Hause bin ich überall", sagt der 48-Jährige. In den USA wird der Sohn des illustren Kunstsammlers Heinz Berggruen als Obdachloser geführt. Dort verkaufte er schon vor Jahren seine Luxuswohnungen, die er im ganzen Land besaß, und lebt seither in Hotels.

Ein Jetsetter - heute Marbella, morgen St. Moritz, übermorgen Ibiza - ist Berggruen aber nicht. Mit seiner Berggruen Holdings Ltd. ist er unter die Investoren gegangen, und zwar unter die langfristigen. Sie verwaltet unter anderem türkische Windenergie-Firmen, eine indische Hotelkette, amerikanische Berufsschulen und ist im Reisanbau in Kambodscha aktiv. Berggruen besitzt Hochhäuser in Innenstadtlagen auf der ganzen Welt.

Auch in Zeiten der Finanzkrise war er zudem als Investor erfolgreich. Er sei keiner, der heute kauft und morgen verkauft, das habe er von seinem Vater Heinz gelernt, erklärt er. Dessen Liebe zu Kunstwerken, die über Jahrzehnte an Wert zulegen, habe er immer bewundert.

Teil der deutschen Geschichte

Es gehöre nicht zu seiner Firmenphilosophie, Geld auszugeben und dann nichts daraus zu machen. Das gelte auch für Karstadt, schließlich sei die Marke Teil der deutschen Geschichte. "Und so eine Investiton verpflichtet." Er wolle als neuer Eigentümer dafür sorgen, dass alle mit Karstadt wieder rechnen können: die 25.000 Beschäftigten, die Kunden, die Lieferanten. Das sei auch möglich: "Die Wahrheit ist doch, dass Arcandor Karstadt verdammt schlecht organisiert hatte."

Einiges spricht dafür, dass der Coup gelingen könnte. Schon einmal ist Berggruen in Deutschland mit einer größeren Investition aufgefallen. Vor drei Jahren übernahm er wesentliche Teile des insolventen Möbel-Herstellers Schieder in Westfalen mit 3500 Beschäftigten. Das Unternehmen, das im März 2008 unter dem Namen Cotta Möbelwerke neu an den Start ging, habe nicht nur die Arbeitsplätze gesichert, sondern auch neue geschaffen, sagt Berggruen.

Seit 2005 ist die in Berlin-Kreuzberg gegründete Nicolas Berggruen Holding GmbH auch in Berlin und Potsdam aktiv, wo sie viele bekannte Immobilien kaufte und sanierte, darunter das Café Moskau in der Ost-Berliner Karl-Marx-Allee, die Sarotti-Höfe und das Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg. Insgesamt hat er nach eigenem Bekunden in diese Objekte bislang 225 Millionen Euro gesteckt.

Das Geld dafür besitzt der gebürtige Pariser - seit Jahren gehört er zum festen Inventar des Milliardärs-Rankings des US-Wirtschaftsmagazins Forbes. Und trotz seines Reichtums scheint er auf dem Boden geblieben zu sein. Im Einzelhandel ist er jedoch ein Novize.

Geld verdienen mit den schönen Dingen des Lebens

Um diese fehlende Kompetenz zu kompensieren, holte der Junggeselle den französisch-amerikanischen Textil-Unternehmer Max Azria bei Karstadt mit ins Boot. Ihm will Berggruen die operative Führung übertragen. In Deutschland ist der gebürtige Franzose Azria, der 1981 in die USA auswanderte, bereits mit seiner Marke "BCBG" ("bon chic, bon genre") mit sechs eigenen Läden und vier weiteren Verkaufsstellen vertreten. Weltweit vertreibt die BCBG Max Azria Group mit 20 Marken Damenmode und Accessoires in 1200 eigenen Läden und setzte im vergangen Jahr 960 Millionen Dollar um.

Mit Roben der Marke "Max Azria Atelier" schickte der Modedesigner bereits Sharon Stone, Kate Bosworth oder Kate Winslet über rote Teppiche, bei Karstadt soll die Marke "Manoukian" nun die deutschen Frauenherzen erobern.

Wie die schönen Dinge des Lebens zu Geld gemacht werden können, bewies bereits Vater Heinz Berggruen. Er gilt als einer der bedeutendsten Kunstsammler des 20. Jahrhunderts. Vor vierzehn Jahren überließ der 2007 mit 93 Jahren verstorbene Mäzen seiner Geburtsstadt Berlin eine wertvolle Gemäldesammlung mit Werken von Picasso, Cézanne, Matisse und Paul Klee. Sie wird seitdem im Berggruen-Museum nahe dem Schloss Charlottenburg ausgestellt.

Ob er auch Karstadt zu einer gesuchten Wertanlage machen kann, wird der Filius nun beweisen müssen.

© sueddeutsche.de/pak

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