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Karstadt-Eigentümer:Textilhersteller Olymp fordert mehr Investitionen von Berggruen

Nicolas Berggruen hat Karstadt im Jahr 2010 für einen Euro gekauft, danach aber kaum weiteres Geld hineingesteckt. Das ärgert nicht nur Gewerkschafter, sondern auch Partner aus der Industrie - wie den Hemdenhersteller Olymp. Dessen Geschäftsführer äußert nun öffentlich Kritik am Warenhaus-Investor.

Das Unverständnis wird immer größer: Wieso hilft Nicolas Berggruen nicht seinem eigenen Unternehmen aus der Patsche? Nachdem die Gewerkschaft Verdi und die Linkspartei in den vergangenen Tagen Kritik an der Knausrigkeit des Karstadt-Investors geäußert haben, kommt nun erstmals auch harte Kritik aus der Industrie: . "Es ist ein Problem, dass nichts investiert wird, auch nicht vom Eigentümer Berggruen, das muss sich dringend ändern", sagte Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter des schwäbischen Textilproduzenten Olymp, der Süddeutschen Zeitung.

Bezner ist damit der erste industrielle Partner, der angesichts der Karstadt-Krise öffentlich Kritik an Berggruen äußert. Der Druck auf Berggruen dürfte damit steigen - die Frage ist, wie sich der Karstadt-Aufsichtsrat dazu verhält, der an diesem Donnerstag tagt.

Der Warenhaus-Konzern sei zwar auch in der aktuellen Krise "einer der wichtigsten Geschäftspartner", sagte Bezner, dessen Unternehmen jährlich insgesamt zehn Millionen Textilien vertreibt. Allerdings fordert der Familienunternehmer aus Bietigheim-Bissingen, dass der "Investitionsstau" aufgearbeitet werde, der in zahlreichen Karstadt-Filialen herrsche.

Auch an der Gesamtstrategie zweifelt Bezner, der den Umsatz seines eigenen Unternehmens in den vergangenen zehn Jahren von 52 Millionen Euro auf 187 Millionen Euro steigern konnte. Anders als bisher müsse sich Karstadt wieder auf bekannte Marken konzentrieren: "Die Leute müssen kennen, was sie kaufen sollen", so Bezner.

"Die vielen personellen Wechsel sind schwierig"

Nicolas Berggruen hat das Traditionsunternehmen Karstadt im Jahr 2010 für einen Euro gekauft, danach aber kaum weiteres Geld hineingesteckt. Zuletzt waren deutlich sinkende Umsätze bekannt geworden und auch ein Wechsel im Management: Der Brite Andrew Jennings zieht sich zum Jahresende aus der Geschäftsführung zurück, ein Nachfolger ist noch nicht bekannt. Bislang hatten vor allem Arbeitnehmervertreter den Milliardär Berggruen zu einem stärkeren Engagement aufgefodert. Er hoffe, sagte Bezner, dass der neue Geschäftsführer bei Karstadt finanziellen Spielraum bekomme, "um auch wirklich gestalten zu können". Danach müsse Ruhe einkehren im Karstadt-Management, fordert der Familienunternehmer: "Die vielen personellen Wechsel dort sind schwierig."

Auch die Gewerkschaft Verdi hat anlässlich des bevorstehenden Chefwechsels bei Karstadt gefordert, die Unternehmensstrategie zu hinterfragen. "Die Strategie "Karstadt 2015" muss überprüft und erforderlichenfalls angepasst werden", sagte eine Verdi-Sprecherin zuletzt. Dabei müssten nicht nur die Geschäftszahlen analysiert werden. Auch der bereits weitgehend umgesetzte Abbau von 2000 Arbeitsplätzen und der Ausstieg aus der Tarifbindung gehörten auf den Prüfstand.

Ob Nicolas Berggruen dafür allerdings Zeit hat, ist fraglich. Der 51-jährige Unternehmer hat gerade große persönliche Ziele ausgegeben: "Ich finde es an der Zeit zu heiraten, eine Familie zu gründen", sagte er der Zeitschrift Bunte. "Ich stehe wohl vor meiner größten und interessantesten Herausforderung: Leben zu kreieren." Allerdings ist das ein aufwändiges Unterfangen. Bis er verheiratet sei, werde er "nicht jeden Tag dieselbe Frau ausführen", sagte Berggruen.