Jobwechsel:Vom Bankberater zum Fitnesscoach

Florian Lechner hat seinen lukrativen Job bei einer Bank aufgegeben. Er will nun als digitaler Fitnesstrainer Erfolg haben.

Von Christian Bellmann, Köln

Mitten in der Corona-Krise, in Zeiten von Kurzarbeit und wirtschaftlicher Unsicherheit einen gut bezahlten Job aufzugeben, das machen nicht viele. Florian Lechner hat den Schritt gewagt. Der 32-jährige hat bei einem Augsburger Bankhaus gekündigt und seine Fitnessleidenschaft zum Beruf gemacht.

Der gelernte Bankkaufmann musste allerdings nicht bei null anfangen, er arbeitete bereits nebenbei als Fitnesscoach. Lechner hat verschiedene Trainerscheine, er ist offizieller Fitnesstrainer mit B-Lizenz. Unter dem Namen "FTL's Garage" bietet er nun seit rund einem Jahr einen Personal-Training-Dienst an. Das Besondere am Trainingskonzept: Seine Kunden erhalten von ihm jede Woche individuell gestaltete Trainingspläne, sie sind aber alleine aktiv - ohne Anwesenheit eines Coaches.

Was coronabedingt anfangs nicht anders möglich war, soll sich nach der Pandemie nicht ändern. "Ich werde immer online bleiben", sagt Lechner. In den USA seien vergleichbare App-Dienstleister schon länger dabei, das klassische Personal-Training abzulösen. "Da schickt der Trainer über die App Trainingspläne und Erklärvideos, ist aber nie live dabei", erläutert er. Ein Raum, in dem bei Bedarf Trainings stattfinden können, sei zwar vorhanden. "Das wird aber ganz sicher nie mein Hauptgeschäft."

Lechner ist nicht der Einzige, der digitale Trainingskonzepte anbietet. Gerade während der Pandemie sind solche Angebote als Alternative zu den coronabedingt geschlossenen Fitnessstudios populär geworden. "Durch Corona strömen viele Personal-Coaches in den Bereich hinein, die ihre Kunden nicht mehr persönlich treffen können", berichtet er. Mit individueller Begleitung will Lechner Kunden gewinnen und halten. So spricht er mit ihnen die genaue Trainingsgestaltung ab. "Ich orientiere mich am Alltag der Kunden, am Beruf, an der familiären Situation", sagt er. Unter seinen Kunden seien Alleinerziehende und Schichtarbeiter. Wo sie trainieren, entscheiden die Kunden selbst, und Lechner richtet den Plan danach aus. "Ich orientiere mich an dem, was die Leute machen wollen und was sie zur Verfügung haben." Das könne im Fitnessstudio, zu Hause oder auch im Wald sein.

Dieser Trainingsansatz passt zu einem Fitnesstrend, der sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet. "Die Leute wollen viel mit ihrem eigenen Körpergewicht machen und nicht mehr stupide Gewichte stemmen", erklärt er. Statt Bodybuilding seien nun funktionelle Bewegungen angesagt, gerne draußen in der Natur.

Nur 35 Kunden habe er im Moment, sagt Lechner, und damit sei er fast ausgebucht. An sein früheres Gehalt bei der Bank kommt er mit diesen Einnahmen bei Preisen ab 99 Euro pro Trainingsmonat nicht heran. Auch nicht mit rund 50 Kunden, auf die er nach der Pandemie aufstocken will, und Seminaren und Trainingscamps, die er dann zusätzlich anbieten will. Lechner nimmt das in Kauf. "Ich habe jetzt ein deutlich freieres und flexibleres Leben", sagt er. Im ersten Lockdown habe er festgestellt, was ihn wirklich interessiere. "Das Gefühl, seine Leidenschaft auszuleben, kann einem kein Geld der Welt geben."

© SZ
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