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Japan:Warum die japanische Mafia mit 112 Kilo Gold erwischt wurde

Gold Gains to Record as Fed Maintains Stimulus, Dollar Declines

Beruhigend: Weil sich mit anderen Anlagen kein Geld mehr verdienen lässt, kaufen viele Japaner Goldbarren.

(Foto: Junko Kimura/Bloomberg)
  • Zwei Mitglieder der japanischen Mafia, der Yakuza, sind mit 112 Kilogramm Gold an einem Flughafen erwirscht worden. Der Wert: fast vier Millionen Euro.
  • Die Yakuza steckt in der Krise und ist auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern: Der Goldschmuggel dürfte eins der vielversprechenderen sein.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Zwei bekannte Yakuza-Mitglieder, ein Pilot, der Inhaber einer kleinen Luftfahrtfirma und zwei Gehilfen sind am Mittwoch von der Tokioter Polizei verhaftet worden. Sie waren im Dezember erwischt worden, als sie aus Macao kommend mit einem Privatjet auf dem Flughafen Naha auf Okinawa mit 112 Kilogramm Gold in vier Koffern landeten. Der Wert: 3,98 Millionen Euro. Die Polizei verdächtigt die Bande, regelmäßig Gold nach Japan geschmuggelt zu haben.

Der illegale Gold-Import nach Japan hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, so die Polizei. Mit dem Abbröckeln des Vertrauens in Abenomics, Premier Shinzo Abes Programm zur Sanierung der Wirtschaft, ist die Nachfrage gestiegen. Auf Bankguthaben erhalten die Japaner seit 15 Jahren wegen der Nullzinspolitik keine Zinsen mehr, auf Staatsanleihen auch nicht; das Vertrauen in Aktien haben sie verloren.

Dazu kommt die Angst vor einem Crash: Je mehr Geld die Notenbank in die Wirtschaft pumpt, umso eher könnte der Yen sehr plötzlich einbrechen. In Japan macht deshalb die Empfehlung die Runde, Ersparnisse am besten in Gold anzulegen - und zwar in physisches Gold, nicht in Gold-Papiere, die im Falle einer großen Krise ihren Wert ebenfalls verlieren könnten. Entsprechend hat auch der Verkauf von Privat-Safes deutlich angezogen.

Die Yakuza steckt in der Krise: Sie findet keine Nachwuchs-Verbrecher

Die Yakuza, die japanische Mafia, steckt in mehreren Krisen. Anders als die italienische Mafia oder das organisierte Verbrechen in den USA oder Russland tritt die Yakuza offen auf. Sie hat feste Adressen und Büros, ihre Bosse haben Visitenkarten. Im Zeitschriftenhandel gibt es sogar Yakuza-Fan-Magazine. Eine bloße Yakuza-Mitgliedschaft ist kein Verbrechen. Erst seit 2009 versucht die Polizei, die Yakuza in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken. Seither dürfen die Banken beispielsweise keine Konten mehr für sie führen, und es ist auch verboten, ihr Wohnungen zu vermieten oder Visitenkarten zu drucken.

In ihren Anfängen betrieb die Yakuza vor allem illegale Spielhöhlen und kassierte Schutzgeld. Beides tut sie bis heute. Zugleich ist sie jedoch stets in neue Geschäftsbereiche vorgedrungen, die hohe Gewinne versprachen. Oft über legale Frontfirmen. Sie verleiht Geld zu Wucherzinsen (und treibt die Schulden mit Gewalt ein), vermittelt Arbeiter in Atomkraftwerke, kontrolliert die Prostitution und den Drogenhandel, betreibt mehrere Schauspielagenturen und ist auch an der Börse aktiv.

Aber die Geschäfte gehen schlecht, auch die Yakuza spürt die Krise, zudem altert sie und finden keine Nachwuchs-Verbrecher. Diese arbeiten lieber auf eigene Rechnung, statt sich in bedingungslosem Gehorsam an eine Organisation zu binden, in der sie sich erst als Fußsoldaten hochdienern müssen. Auch ihr angeblicher Patriotismus vermag die Yakuza nicht attraktiver zu machen. Zudem hat die Wirtschaftskrise Konflikte aufbrechen lassen, die zu Spaltungen bisheriger Banden führten.

Die Mafia versucht, über den Schmuggel die Mehrwertsteuer zu umgehen

Die Yakuza braucht somit dringend neue Betätigungsfelder. Mit dem Goldschmuggel setzt sie auf die Angst vor der Zukunft von Abenomics und umgeht die acht Prozent Mehrwertsteuer, die auf offizielle Goldimporte erhoben werden. Außerdem kommt sie jenen Kunden entgegen, die in Erklärungsnot gerieten, wenn sie ihr Gold offiziell kaufen sollten.

Die beiden 44-jährigen Yakuzas, die nun verhaftet worden sind, stammen aus der in Tokio ansässigen Imagawa-kai. Die ehemalige portugiesische Kolonie Macao, die in China heute einen Sonderstatus genießt, wird mit ihren Spielcasinos auch von Nordkorea als Geld-Waschanlage benützt.

© SZ vom 10.06.2016/vit

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