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Jahresversammlung von Berkshire Hathaway:Worin Buffetts Genie bestand

Microsoft founder and technology advisor Gates throws a newspaper during a competition at a trade show at the Berkshire Hathaway annual meeting in Omaha

Gast Bill Gates: Beim "Woodstock der Kapitalisten" schleudert der Microsoft-Gründer bei einem Wettbewerb eine Zeitung.

(Foto: REUTERS)

Bisher hat das alles glänzend funktioniert, aber das Modell stößt an Grenzen. Mit einer Marktkapitalisierung von 316 Milliarden Dollar ist Berkshire heute das fünftgrößte Unternehmen der USA. Es gibt einfach nicht genügend attraktive Deals, die bei dieser Größe Wachstum garantieren. Zuletzt übernahm Buffett bei einem untypischen Deal zusammen mit dem Finanzinvestor 3G die Traditionsfirma Heinz Ketchup, nur um dort 600 Arbeitsplätze abzubauen - bisher undenkbar. Buffett stellt das Problem so dar: "Es kann bald sein, dass wir mehr Geld haben, als wir intelligent investieren können."

Und dann gibt es noch den zweiten Teil des Geschäftsmodells: Buffett hat zwar Milliarden in alle möglichen Branchen investiert - von Energieversorgern über die Eisenbahn BNSF bis zu Lokalzeitungen. Im Kern ist Berkshire jedoch ein Versicherungskonzern geblieben (BH Reinsurance, General Re und die Autoversicherung Geico). Buffetts Genie bestand darin, den so genannten Float dieser Versicherungen, also Prämien, die bereits gezahlt sind, aber noch nicht für Schadensfälle verwendet werden müssen, hochprofitabel zu investieren und trotzdem immer genügend Reserven zu haben. Dieser Float wird auf absehbare Zeit eher sinken, glaubt Buffett.

Noch ist von den Problemen wenig zu spüren. Die Aktie liegt nahe des Allzeithochs, der Gewinn ist im ersten Quartal zwar etwas geringer ausgefallen als erwartet, aber das stört in Omaha niemanden. Dass die Zukunft schwieriger werden könnte, lässt sich erst auf den zweiten Blick erkennen: In vier der vergangenen fünf Jahre hat Buffett sein selbst gestecktes Ziel verfehlt, mit dem Buchwert den Aktienindex S&P 500 zu schlagen.

Manche Analysten ziehen daraus den Schluss, dass Buffett sein Erbe am besten dadurch schützt, dass er Berkshire zerschlägt. "Da ist was dran", sagt Hendrik Leber, Chef der Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis, der seit 1997 jedes Jahr nach Omaha kommt. "Es liegt derzeit ein Buffett-Malus auf der Aktie." Der Bonner Verleger und Investor Norman Rentrop hält dagegen: "Buffett schafft immer noch Wert durch seine Art, den Float zu investieren und dadurch, dass er eine Firmenkultur schafft, die Familienunternehmer dazu bringt, unter Preis zu verkaufen."

"Wir hatten keine Lust, gegen Coca-Cola in den Krieg zu ziehen."

Aber auch Skeptiker Leber ist ein glühender Buffett-Fan: "Für mich sind am wichtigsten seine Antworten auf die Fragen der Aktionäre. Die liefern für ein halbes Jahr Stoff zum Nachdenken." Man glaubt dem Orakel von Omaha. Das zeigt sich auch bei Randthemen: Buffett hatte einige Kritik auf sich gezogen wegen der hohen Manager-Gehälter bei Coca-Cola, wo Berkshire einen Anteil von 9,1 Prozent hält. Buffett hatte die Bezahlung als "exzessiv" bezeichnet, aber nichts getan, um sie zu verhindern.

"Wir hatten keine Lust, gegen Coca-Cola in den Krieg zu ziehen", sagt Warren Buffett in Omaha zur Begründung. Eine Antwort, die genügt, um die Aktionäre zufrieden zu stellen.

© SZ vom 05.05.2014

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