Irland Der Aufstieg des Keltischen Tigers

Ein scharfer Kontrast zur Krise: Im Jahr 2008 platzte die Immobilienblase auf der Insel, bis 2012 halbierten sich die Hauspreise. Käufer konnten ihre Hypotheken nicht mehr bedienen; die aufgeblähten und schlampig überwachten Banken gerieten ins Trudeln und mussten mit Milliarden der Regierung gerettet werden. Das ließ die Staatsverschuldung explodieren, das Haushaltsdefizit betrug 2010 fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung. Aus dem "Keltischen Tiger" wurde ein Pleitekandidat, der genau wie Griechenland, Zypern, Spanien und Portugal Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchen musste.

Keltischer Tiger: Diesen Titel erwarb sich Irland in den neunziger Jahren, als Ökonomen erstaunt auf den Boom im einstigen Armenhaus Europas blickten. Reihenweise investierten ausländische Konzerne auf der Insel, eröffneten Fabriken. Die Wirtschaft wuchs im Rekordtempo, befeuert von Exporten. Angelockt wurden die Firmen von der Aussicht auf gut ausgebildete, junge und englischsprachige Mitarbeiter sowie den niedrigen Steuern auf Gewinne. Der Satz liegt bei 12,5 Prozent, was Irland regelmäßig den Vorwurf einbringt, Konzernen bei der trickreichen Steuervermeidung zu helfen. Die EU-Kommission untersucht zudem, ob irische Finanzbehörden dem Technologie-Unternehmen Apple in illegalen Absprachen besonders geringe Steuern zusagten - ein Ergebnis wird vor Weihnachten erwartet.

Die Exportindustrie war von der Krise nicht betroffen

Nach der Jahrtausendwende entwickelte sich auf der boomenden Insel aber eine gefährliche Immobilienblase, auch wegen der niedrigen Zinsen nach Einführung des Euro. Nach dem Crash waren dann die Zweifel groß, ob Irland rasch wieder zurückfinden werde auf den Erfolgspfad. John FitzGerald hingegen äußerte sich schon damals zuversichtlich. Der Volkswirt ist Professor am Trinity College in Dublin und sitzt im Führungsgremium der irischen Zentralbank.

Griechenland am Abgrund Spart! - Nein! Gebt Geld aus!
Griechenland

Spart! - Nein! Gebt Geld aus!

Warum sich die Ratschläge der amerikanischen und deutschen Ökonomen so stark widersprechen.   Von Claus Hulverscheidt, New York, und Alexander Hagelüken

Der schmucke Campus der Hochschule ist eine Touristenattraktion der Stadt, wenn auch nicht ganz so beliebt bei Gästen wie die Guinness-Brauerei. FitzGeralds Büro befindet sich jedoch in einem eher hässlichen Betonklotz auf dem Gelände. "Der kräftige Aufschwung überrascht mich nicht", sagt er. "Ich hätte allerdings gedacht, dass er etwas später einsetzt."

Das "irische Modell" funktioniere weiterhin, erklärt der Professor: viele Ausfuhren, viele Investitionen ausländischer Konzerne. Die Krise habe die Bauwirtschaft und die Banken hart getroffen, nicht aber die Exportindustrie, sagt er. Tatsächlich profitieren Unternehmen sogar davon, dass wegen des Crashs die Löhne gesunken sind; der schwache Euro-Kurs hilft den Exporteuren genauso.

Inzwischen zieht die Nachfrage im eigenen Land ebenfalls an: Die Bürger, die Regierung und Firmen geben wieder mehr Geld aus - logische Folge sind die rekordhohen Wachstumszahlen. Irland hat sich also aus der Krise herausexportiert.