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Investoren aus China:Chinesen kaufen deutsche Unternehmen? Fürchtet euch nicht!

Robots in the Kuka stand pour a beer into a glass at the Hannover Messe industrial trade fair in Hanover

Chinesische Investoren interessieren sich für deutsche Unternehmen: Roboter von Kuka (Archivbild)

(Foto: Nigel Treblin/Reuters)

Ist Deutschland nur noch ein Supermarkt, in dem chinesische Investoren sich Firmen kaufen? Wer so schlicht argumentiert, ist ein falscher Patriot.

Schlag auf Schlag geht es jetzt. Chinesische Konzerne bieten für deutsche, als gäbe es kein Morgen mehr. Geld spielt keine Rolle. Darf's ein bisschen mehr sein?

Kunststoffmaschinen (Krauss-Maffei), Baumaschinen (Putzmeister, Schwing), Gabelstapler (Kion), Autozulieferer (Kiekert, Hilite, Saargummi). Oder Chipanlagen (Aixtron), Grafitelektroden (SGL Carbon) oder Roboter (Kuka)? Möglich. Oder Töpfe, Bestecke und Kaffeemaschinen? Auch für WMF soll es zwei Interessenten aus China gegeben haben. Deutschland wirkt wie ein Supermarkt, in dem man kaufen kann, was zu Hause - in China - fehlt. So gesehen kann man die Angebote aus Fernost auch als Kompliment an die deutsche Innovationskraft werten.

Nur sehen das viele nicht so. Sie folgen dem alten Reflex: China, eine Diktatur, der ewige Feind, der über mehr oder minder staatlich gesteuerte Konzerne ausländische Firmen übernimmt, sie ausweidet, die Technologie nach Asien verschleppt, und die deutschen Standorte schließt. Solche Ängste äußerten am Freitag auch Aktionäre in der Hauptversammlung des Roboterherstellers Kuka, um den der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea wirbt. "Das sind knallharte Opportunisten", schimpft etwa Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er sorgt sich nicht nur um die Firma, sondern gleich um das ganze Land. "Ich hoffe, das entwickelt sich nicht zur Katastrophe für Deutschland", sagt Klose.

Eine Übernahme ist kein Akt der Barmherzigkeit

Applaus. In der Wirtschaft ist es wie in der Politik. Wer mit schlichten Argumenten Ängste schürt, findet leicht Anhänger. Aber so einfach ist die Sache nicht. Im Grunde muss jeder Fall, jedes Angebot einzeln bewertet werden, es gibt mehr als Schwarz und Weiß.

Die falschen Patrioten tun so, als seien Firmen aus China das Schlimmste, was einem deutschen Unternehmen passieren kann, noch schlimmer als angelsächsische Finanzinvestoren. Dabei ist keine Übernahme, egal aus welchem Land der Bewerber kommt, ein Akt der Barmherzigkeit. Natürlich interessieren sich chinesische Investoren wie jeder andere Käufer für die Technologie eines Übernahmekandidaten, sie macht seinen Wert aus.

Jeder Käufer verfolgt das legitime wirtschaftliche Ziel, dass er mit dem Neuzugang besser dasteht als ohne ihn. Nichts anderes beabsichtigt auch Bayer mit dem Gebot für den US-Konzern Monsanto. Nichts anderes strebte Daimler mit der Übernahme von Chrysler an; das ging schief. Misserfolg ist kein Alleinmerkmal deutsch-chinesischer Übernahmen.

Es gibt gute Gründe für China und chinesische Investoren. Das Land ist ein riesiger Markt, der von gelegentlichen Dellen abgesehen langfristig wächst, sicher nicht mit zweistelligen Raten wie früher, aber immer noch kräftig mit einer nicht nur im engen Wortsinn hungrigen Mittelschicht. Wachstum auf solchen Märkten kann auch Arbeitsplätze in satten Industrieländern wie Deutschland sichern.

Deutsche und chinesische Firmen sind sich in den vergangenen Jahren nähergekommen, schon zwangsläufig, weil viele deutsche Firmen dort längst Standorte haben. Sie verstehen sich heute besser als noch vor 20, 30 Jahren. Verstehen heißt nicht, dass man mit allem einverstanden ist. Die Löhne in China sind in den vergangenen Jahren gestiegen, eine billige Werkbank ist das Land nicht mehr. Das Argument, Technologie zu kaufen, um sie in China billig zu kopieren, verliert an Gewicht. So einfach ist das auch nicht, denn Träger des Wissens sind Menschen.

Das Angebot eines chinesischen Investors ist eine Option, die eine Prüfung verdient - ganz ohne Angst.