Insolvenz von Monarch Airlines Plötzliche Airline-Pleite: Zehntausende Passagiere sitzen im Ausland fest

  • Das Ende kam überraschend: An diesem Montag verkündete die britische Fluggesellschaft Monarch ihre Insolvenz - und stellte sofort jeglichen Flugbetrieb ein.
  • Etwa 110 000 Passagiere sitzen derzeit an ihren Urlaubsorten fest, die britische Regierung chartert Maschinen, um sie zurückzuholen.

Der Preiskampf in der europäischen Luftfahrt sorgt für die dritte Airline-Pleite in diesem Jahr. Die fünftgrößte britische Fluggesellschaft Monarch meldete an diesem Montag überraschend Insolvenz an. Anders als zuvor bei Alitalia und Air Berlin stellte das Unternehmen den gesamten Flugbetrieb sofort ein. Die Folge: Die größte Rückholaktion von Passagieren nach Großbritannien seit Jahrzehnten. Denn durch das plötzliche Aus für Monarch sind den Angaben zufolge vorerst etwa 110 000 Fluggäste an ihren Urlaubsorten gestrandet.

"Das ist eine ungeheuer bedauerliche Situation für britische Urlauber im Ausland", erklärte Verkehrsminister Chris Grayling. Oberste Priorität habe nun, "ihnen zu helfen, zurück nach Großbritannien zu kommen". Die Regierung in London wies die Luftfahrtbehörde CCA an, für den Rücktransport der Monarch-Kunden mehr als 30 Flugzeuge zu chartern. Der Internetseite Flightradar24 zufolge schickte die Fluggesellschaft Qatar Airways bereits A320-Maschinen, um der CAA bei der Rückführung der Urlauber aus zahlreichen Ländern - darunter Frankreich, Griechenland, Israel und die Türkei - zu helfen. Einen Fall solchen Ausmaßes habe es in Friedenszeiten in Großbritannien noch nie gegeben, teilte das Verkehrsministerium mit.

Die meisten Verbindungen nach Deutschland wurden bereits eingestellt

Der Luftfahrtbehörde zufolge sind insgesamt etwa 410 000 Kunden davon betroffen, dass alle Monarch-Maschinen am Boden bleiben. Die Fluggesellschaft rief über den Kurzbotschaftendienst Twitter alle Fluggäste auf, nicht zum Flughafen zu kommen. "Es wird keine Monarch-Flüge mehr geben", erklärte die Airline.

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Die 1968 gegründete Monarch mit Sitz in Luton nördlich von London hat etwa drei Dutzend Maschinen mit insgesamt etwa 7200 Sitzplätzen und flog vor allem beliebte Ferien-Ziele an - etwa in Spanien, Portugal und Italien. Auch die einzige Route nach Deutschland, zwischen London und dem Bodensee-Flughafen in Friedrichshafen, ist von der Insolvenz betroffen. Weitere Verbindungen nach Friedrichshafen aus Manchester und zwischen Birmingham und München wurden bereits vor längerer Zeit eingestellt.

Zuletzt hatte Monarch verstärkt mit der wachsenden Konkurrenz zu kämpfen. "Steigender Kostendruck und zunehmend wettbewerbsintensive Bedingungen auf dem europäischen Markt für Kurzstreckenflüge" hätten der Fluggesellschaft zugesetzt, sagte Blair Nimmo von der Beratungsgesellschaft KPMG, die als Insolvenzverwalter bestimmt wurde. Monarchs Finanzlage hatte sich 2016 verschlechtert, als es wegen der angespannten Sicherheitslage in Tunesien, Ägypten und der Türkei immer mehr Konkurrenz auf den Strecken nach Spanien und Portugal gab. Auch der Verfall des britischen Pfunds verschärfte die Lage. Eine Millionen-Spritze des Eigners, der Investment-Gesellschaft Greybull Capital, hielt die Airline vor einem Jahr noch am Leben. Von der Pleite profitieren könnten Experten zufolge nun die Konkurrenten Ryanair und Easyjet.

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Durch die Pleite droht nun 2100 Mitarbeitern der Fluggesellschaft der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Oliver Richardson von der Gewerkschaft Unite erhob deshalb Vorwürfe gegen die britrische Regierung. Die Bitte nach einem Überbrückungskredit für die Traditionsfluggesellschaft sei von Kabinettsmitgliedern abgelehnt worden. Trotz des unermüdlichen Einsatzes der Belegschaft gehe nun "eine der ältesten Fluggesellschaften des Landes" in die Insolvenz. Viele der Monarch-Beschäftigten könnten wohl anderswo in der Branche unterkommen, sagte der britische Verkehrsminister Chris Grayling der BBC.