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Kreativität der Mitarbeiter:Bei der Bahn würde man nicht an gutes Ideenmanagement denken - aber sie hat eines

Hans-Dieter Schat befragt regelmäßig Unternehmen zum Thema Ideenmanagment - und er erfährt Erstaunliches.

Viele Firmen setzen auf ein Ideenmanagement. Doch für wen rechnet sich das? Hans-Dieter Schat, Professor an der Fachhochschule für Oekonomie und Management in Stuttgart, befragt immer wieder Unternehmen dazu.

SZ: Herr Schat, welche Unternehmen setzten besonders gern auf Ideen der Mitarbeiter?

Hans-Dieter Schat: Es ist besonders da weit verbreitet, wo der Kostendruck hoch ist. Darum haben alle Autokonzerne ein Ideenmanagement und erst recht die Zulieferer. Die haben häufig in ihren Verträgen stehen, dass sie für die gleiche Leistung jedes Jahr drei oder vielleicht sogar zehn Prozent weniger bekommen. Ohne die Hilfe ihrer Mitarbeiter würden die das nicht schaffen.

Muss nicht überall gespart werden? Was ist in den öffentlichen Verwaltungen?

Bei denen fehlt der Druck durch Wettbewerber, darum spielen da die Ideen der Mitarbeiter keine große Rolle. Banken und Versicherungen hingegen werden jetzt wach. Sie hatten das Ideenmanagement lange Zeit nur, weil man es haben musste.

Würde es denn in den Verwaltungen funktionieren?

Absolut. Das sieht man bei der Bahn, die als Unternehmen einer öffentlichen Verwaltung nicht unähnlich ist. Bei der Bahn würde man nicht gleich an gutes Ideenmanagement denken: Aber sie hat es mit 20 bis 30 Leuten als eine Art interne Unternehmensberatung organisiert. Und die arbeitet mit Gewinn.

Wenn ein Unternehmen gar nichts in der Art hat - lohnt es sich, ein Ideenmanagement einzuführen?

Wir haben mehr als 260 Unternehmen aus allen Branchen befragt: Von den meisten hören wir, dass sie für jeden investierten Euro etwa zwei bis drei Euro zurückbekommen.

Was bringt in einem durchschnittlichen Unternehmen jede realisierte Idee?

Im Schnitt waren das 12 000 Euro.

Und wie viele Mitarbeiter machen da mit?

Die durchschnittliche Beteiligungsquote bei den Befragten lag bei 29 Prozent, die Realisierungsquote bei mehr als 43 Prozent.

Heißt Ideenmanagement nur, dass lediglich Prozesse oder Produkte verbessert werden - oder geht es da auch um die Erweiterung des bestehenden Geschäfts?

Früher war das in den Unternehmen völlig getrennt: Der eine Manager kümmerte sich um das Vorschlagswesen, der nächste um die Markterweiterung und der dritte um das Management von Innovationen. Die wussten nichts voneinander, und die Mitarbeiter mussten sich dann selbst überlegen, wo sie welchen Vorschlag einreichen sollten. Das hat sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. Nun heißt es: Wir brauchen eine Schnittstelle, bei der ein Mitarbeiter eine Idee einreichen kann. Ein Mitarbeiter darf sich nicht fragen müssen, wo er etwas einreicht. Und jede halbwegs aktuelle Software kann so etwas auch verwalten.

Wie wird sich das Ideenmanagement in den nächsten zehn Jahren ändern?

Ich glaube, dass sich in den nächsten zehn Jahren sehr viel tun wird. Wenn ich mir heute die Konferenzen anschaue, auf denen zum Ideenmanagement gesprochen wird, sind da viele grauhaarige Herrschaften unterwegs. Da wird es eine ganz neue Generation von Ideenmanagern geben, die viel stärker die unterschiedlichen Aktivitäten in dieser Richtung verzahnen und es wird schneller werden. Die heute in den Unternehmen oft üblichen Konzepte kleiner, schneller Veränderungen - Stichwort agiles Management - werden sich eng mit dem Ideenmanagement verzahnen.

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