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Hochtief: Hilfe aus Düsseldorf:Mal wieder Retter sein

Berlin zeigt dem Konzern Hochtief im Kampf gegen eine Übernahme durch das spanische Unternehmen ACS die kalte Schulter. Doch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen signalisiert Unterstützung.

Stefan Weber und Bernd Dörries

Im Kampf um den Erhalt seiner Unabhängigkeit kann der Hochtief-Konzern zumindest auf Unterstützung der nordrhein-westfälischen Landesregierung hoffen. "Hochtief ist ein gesundes und hochprofitables Unternehmen. Wir müssen alles dafür tun, dass es dabei bleibt und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben", sagte NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) am Dienstag der Süddeutschen Zeitung.

Hochtief Mitarbeiter protestieren gegen ACS-Uebernahmeplaene

Zu gern will der spanische Konzern ACS Hochtief übernehmen. Doch die Essener werten das als feindlichen Übernahmeversuch.

(Foto: dapd)

Der spanische Großaktionär ACS beabsichtigt, seine Beteiligung an dem Essener Unternehmen von derzeit 29,98 Prozent auf mehr als 50 Prozent aufzustocken. Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter betrachten diesen Plan als feindlichen Übernahmeversuch und wehren sich dagegen. "Wenn man den Schuldenstand von ACS betrachtet und die Baukrise in Spanien mit ins Kalkül zieht, muss man fürchten, dass Hochtief der Leidtragende einer Übernahme wäre", sagte Voigtsberger. Er räumte allerdings ein, dass die Möglichkeiten der Politik in diesem Fall begrenzt seien. Am Montag hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle Schützenhilfe der Bundesregierung abgelehnt.

Konzept gegen die Krise

Wer Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter und seine Kollegen im Vorstand des Essener Hochtief-Konzerns ein wenig ärgern möchte, der bezeichnet Hochtief standhaft als Baukonzern. Tatsächlich markiert dieser Begriff nur unzureichend, was das Unternehmen leistet. Denn mit der bloßen Errichtung von Bürogebäuden, Sportstätten oder Flughäfen gibt sich Hochtief schon lange nicht mehr zufrieden. "Wir sind ein erfolgreicher Baudienstleister", betont Lütkestratkötter. So erfolgreich, dass nun ACS seine Hand ausstreckt. Denn damit könnte das bisher stark auf den Heimatmarkt ausgerichtete Unternehmen aus Madrid seine internationale Präsenz auf einen Schlag deutlich erhöhen.

Baudienstleister - das bedeutet, dass die weltweit 66.000 Mitarbeiter ihre Arbeit mit der Schlüsselübergabe an den Bauherren nicht als abgeschlossen betrachten, sondern das Projekt weiter betreuen. Etwa indem sich die Abteilung Facility Management um die technische Instandhaltung kümmert. Oder indem die Konzerngesellschaft Concessions gemeinsam mit öffentlichen Partnern Straßen oder Schulen errichtet und auch eine Weile auf eigenes Risiko betreibt.

Mit diesem Konzept, das Hochtief sehr früh auch internationalisiert hat, ist der Konzern gut durch die Krise gekommen und sieht für sich gute Perspektiven. Mittelfristig soll das Ergebnis vor Steuern und Zinsen die Marke von einer Milliarde Euro übersteigen, nachdem 2009 etwa 600 Millionen Euro verdient wurden. Die Orderbücher sind prall gefüllt. Noch am Dienstag meldete Hochtief mehrere neue Aufträge aus Abu Dhabi und Australien im Gesamtwert von 280 Millionen Euro. Zur Jahresmitte belief sich der Auftragsbestand auf 42 Milliarden Euro - das entspricht mehr als der doppelten Jahresleistung von zuletzt gut 20 Milliarden Euro. Dabei ist der Konzern bei der Annahme von Aufträgen heute sehr viel kritischer als noch vor einigen Jahren. Damals waren vor allem in Deutschland gelegentlich Konditionen akzeptiert worden, die am Ende nicht kostendeckend waren.

Allerdings trägt der Heimatmarkt immer weniger zur Gesamtleistung bei. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil des Deutschlandgeschäfts nur noch gut elf Prozent. 2010 wird der Anteil weiter sinken, denn der Konzern rechnet damit, dass sich die Baunachfrage in Deutschland mittelfristig nicht beleben wird. Die Margen im deutschen Baugeschäft bezeichnet Lütkestratkötter indes nur als "auskömmlich". Die Erträge sprudeln aus anderen Quellen. Vor allem aus der Mehrheitsbeteiligung an der australischen Unternehmensgruppe Leighton, die auch im asiatischen Markt inklusive der Golfregion glänzend im Geschäft ist. Gemessen an der Börsenbewertung ist der Leighton-Anteil mit gut vier Milliarden Euro nur etwa 400 Millionen Euro weniger wert als der gesamte Hochtief-Konzern. Und das auch nur, weil das Papier des Essener Konzerns im Zuge der Übernahmephantasie zuletzt stark an Wert zugelegt hat. Es gab Zeiten, da bewertete die Börse Hochtief nicht höher als das Leighton-Paket.

Verständlich, dass diese Konstellation Begehrlichkeiten weckte. Denn dabei werden die anderen Werte von Hochtief nicht berücksichtigt. Etwa die ertragsstarke Tochter Turner, das größte Hochbauunternehmen in den USA. Oder die Beteiligungen an sechs Flughäfen (darunter Düsseldorf und Hamburg). Das Airportgeschäft hat Hochtief in der Tochtergesellschaft Concessions gebündelt, die auch Straßen und Schulen betreibt. Der Plan, einen Anteil von 49 Prozent für bis zu einer Milliarde Euro an der Börse zu platzieren, platzte im vergangenen Dezember.

© SZ vom 06.10.2010/hgn
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