HBC Kaufhof-Mutterkonzern hat "900 Millionen Dollar verbrannt"

Das Logo von Galeria Kaufhof auf dem Dach einer Filiale in Köln.

(Foto: dpa)

Die Probleme von HBC bedeuten nichts Gutes für das Warenhausunternehmen und seine 21 000 Mitarbeiter: Sie sollen auf Geld verzichten.

Von Michael Kläsgen

Die kanadische Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company (HBC) hat in einem Analystengespräch erstmals eingeräumt, dass das abgelaufene Geschäftsjahr schlecht gelaufen ist. "Letztes Jahr haben wir mehr als 900 Millionen Dollar cash verbrannt", sagte HBC-Finanzchef Edward Record, "das ist einfach inakzeptabel." 900 Millionen kanadische Dollar entsprechen derzeit mehr als 577 Millionen Euro oder 1,5 Millionen Euro pro Tag. Finanzchef Record beteuert in dem Conference Call Ende März, von dem der Süddeutschen Zeitung eine Abschrift vorliegt, dass HBC sich gegenüber den Aktionären verpflichtet habe, den Free Cash Flow dieses Jahr zu verbessern.

Der Free Cash Flow gibt, isoliert betrachtet, keine Auskunft darüber, ob ein Unternehmen von der Insolvenz gefährdet ist. Er ist ein Indikator dafür, wie viel Geld das Unternehmen verfügbar hat, um beispielsweise einen Teil davon an Aktionäre auszuschütten oder es in das Unternehmen zu reinvestieren. Entscheidender, um die Liquidität eines Unternehmens zu beurteilen, ist die Frage, wie sich der Cash Flow im Vergleich zum Vorjahr entwickelt, und noch wichtiger: wie viel Cash es überhaupt auf dem Konto hat.

Die Antwort in Bezug auf HBC lautet: nicht mehr viel. Anfang Februar dieses Jahres waren es noch umgerechnet 45 Millionen Euro. Tendenz stark sinkend. 2017 waren es noch 78 Millionen Euro und 2016 etwas mehr als 322 Millionen Euro gewesen. Geht der Kontostand im gleichen Tempo weiter runter, steht zu befürchten, dass HBC irgendwann keine Rechnungen mehr bezahlen kann.

Die wichtige Frage lautet: Ist Kaufhof überhaupt sanierungsfähig?

Im Moment hängt HBC im Wesentlichen noch am Tropf eines Konsortiums rund um die Bank of America, das dem Unternehmen faktisch einen Kreditrahmen von etwa einer Milliarde Euro gewährt. Die Eigenkapitalquote liegt unter 20 Prozent, was wenig ist für einen Einzelhandelskonzern. Die Gesamtverpflichtungen von HBC belaufen sich auf über 13 Milliarden Euro und sind damit laut Geschäftsbericht fast doppelt so groß wie die Bilanzsumme. Zudem sieht es nicht so aus, als könnte sich HBC über das Handelsgeschäft aus dieser Bredouille befreien. Im Gegenteil: HBC schreibt Verluste. Der operative Verlust verdoppelte sich im Jahresvergleich sogar fast auf 415 Millionen Euro.

All das ist entscheidend, wenn an diesem Freitag die 30-köpfige Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi mit den Betriebsräten von Kaufhof tagt. Kaufhof machte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 100 Millionen Euro. Das Management will die Kosten senken. Die Kommission soll deshalb auf dessen Druck hin einen Sanierungstarifvertrag für die 21 000 Beschäftigten absegnen. Die Arbeitnehmervertreter müssten einwilligen, dass die Mitarbeiter auf Geld verzichten. Voraussetzung für einen Sanierungstarifvertrag ist aber nicht nur, dass Kaufhof ohne die Kostensenkung vor der Insolvenz steht. Sie müssen zudem davon überzeugt sein, dass Kaufhof sanierungsfähig ist. Ein Kaufhof-Sprecher sagt zwar, die Warenhauskette sei solide finanziert und habe die uneingeschränkte Unterstützung von HBC. Aber was ist die wert, wenn der selber das Geld ausgeht?

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