bedeckt München 27°

Eine Frage, eine Antwort:Wie Hund und Katz

Nach Isolierung zurück im Alltag: Wohin mit dem neuen Haustier?

In Deutschland gibt es 17,5 Millionen Hauskatzen, in der Pandemie sind es deutlich mehr geworden.

(Foto: Markus Scholz/dpa-tmn)

Was passiert mit den Haustieren, die in der Pandemie angeschafft wurden?

Von Caspar Busse, München

Gerade in Pandemie-Zeiten brauchen manche Menschen offenbar Trost - und den suchen sie immer öfters bei Haustieren. Die Zahl der Hunde, Katzen, Wellensittiche und sonstigen tierischen Mitbewohner in deutschen Haushalten sei innerhalb von zwölf Monaten um fast eine Million auf knapp 35 Millionen gestiegen, teilten der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZFF) vor Kurzem mit. Das beliebteste Haustier in Deutschland war den Angaben zufolge auch 2020 mit 17,5 Millionen Exemplaren die Katze. Daneben gab es 10,7 Millionen Hunde, 5 Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster oder Mäuse und 3,5 Millionen Ziervögel. Fast in der Hälfte der deutschen Haushalte gibt es heute Haustiere.

Aber was passiert mit den Haustieren, die in der Pandemie angeschafft wurden, wenn die Begeisterung nachlässt, oder man wieder regelmäßig zur Arbeit muss? Auch die Kosten für Haustiere sind nicht zu vernachlässigen. Das Statistische Bundesamt meldete Rekordeinnahmen aus der Hundesteuer. Die Heimtierbranche berichtet auch von deutlich mehr Ausgaben. So stieg der Umsatz 2020 um gut fünf Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Allein für Katzenfutter gaben die Verbraucher in Deutschland fast 1,7 Milliarden Euro aus, das sind 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen knapp 1,6 Milliarden Euro für Hundefutter. Der Rest entfällt auf Ausrüstungen aller Art und sonstigen Heimtiefbedarf. Spezialanbieter wie der Online-Händler Zooplus steigerten den Umsatz besonders deutlich. Einige Haushalte mit Pandemie-Haustieren könnten deshalb finanzielle Überraschungen erleben.

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet vor diesem Hintergrund eine Abgabewelle nach dem Ende der Pandemie. "Viele Menschen haben die Corona-Krise genutzt, um ihren langgehegten Traum nach einem Tier endlich in die Tat umzusetzen", sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. "Wir befürchten jedoch, dass sich mindestens genauso viele spontan für einen tierischen Mitbewohner entschieden und sich zu wenig Gedanken gemacht haben, was nach Lockdown, Home-office und Home-schooling mit einem Tier auf sie zukommt." Die Tierschützer gehen deshalb davon aus, dass viele Tiere als "Pandemie-Projekt" unüberlegt und leichtfertig im Internet, im Zoofachhandel oder beim Züchter angeschafft wurden. Die Sorge ist deshalb groß, dass diese Tiere nach dem Ende der Lockdown-Einschränkungen in Tierheimen landen oder ausgesetzt werden.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema