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Handelsstreit:Europa schlägt zurück

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Bourbon-Liebhaber müssen sich beeilen: Bald wird Zoll fällig.

(Foto: imago/AFLO)

Im Handelsstreit mit den USA will die EU von Juli an Vergeltungszölle verhängen. Sie treffen Jeans, Motorräder und Bourbon - diese US-Produkte werden bald teurer.

Die EU wehrt sich im Handelsstreit mit den USA. Als Antwort auf die von den Vereinigten Staaten verhängten Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte will die Europäische Kommission binnen vier Wochen mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. Bis Ende Juni soll eine Einigung mit den Mitgliedstaaten erzielt werden, "sodass die neuen Zölle ab Juli gelten", sagte Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Mittwoch. Die EU hatte zu diesem Zweck bereits eine Liste mit US-Waren erstellt. "Die Anwendung der Ausgleichszölle steht voll im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation", erklärte Sefcovic. Es handle sich um eine "maßvolle und sinnvolle Antwort auf die unilaterale und illegale Entscheidung der USA".

Die EU will zunächst Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro mit Zöllen belegen. Dazu zählen neben Stahlprodukten auch Bourbon, Erdnussbutter, Motorräder von Harley-Davidson und Jeans des Herstellers Levi's. In einer zweiten Phase können von 2021 an weitere US-Produkte im Wert von 3,6 Milliarden Euro getroffen werden. Zusammen wären das insgesamt 6,4 Milliarden Euro - was genau jenem Zollwert entspricht, mit dem die USA seit dem 1. Juni Stahl- und Aluminiumeinfuhren belegen. Die Regierung in Washington hatte deren Einführung mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet.

US-Präsident Donald Trump drohte zudem mit Zöllen auf europäische Autos und Autoteile. Vor gut einer Woche wies er das amerikanische Wirtschaftsministerium an, zu prüfen, ob die hohe Zahl importierter Pkw die Leistungsfähigkeit der US-Industrie und damit die nationale Sicherheit bedroht. Sollte das Ministerium tatsächlich zu diesem Ergebnis kommen, schwebt dem Präsidenten eine Verzehnfachung des bisherigen Zollsatzes auf 25 Prozent vor; die EU verlangt ihrerseits zehn Prozent.

Trump ist es seit jeher ein Dorn im Auge, dass in den USA viel mehr europäische und asiatische Autos verkauft werden als amerikanische Pkw im Ausland. Daran sind die US-Hersteller allerdings selbst mitschuldig, weil sie sich seit Jahren auf den Bau der lukrativen, im Inland besonders beliebten Sportgeländewagen konzentrieren. Im vergangenen Jahr importierten die USA Autos im Wert von fast 180 Milliarden Dollar - 16 Prozent mehr als noch 2013. Zölle auf Autos würden vor allem deutsche Hersteller treffen. Sie haben 2017 fast eine halbe Million Fahrzeuge in die USA exportiert.

© SZ vom 07.06.2018
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