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Handel:Karstadt schafft die Wende

Women carry bags from the German department store chain Karstadt in Duesseldorf

Es wird wieder eingekauft bei Karstadt. Für die Beschäftigten gibt es deshalb ein Dankeschön von der Geschäftsführung.

(Foto: Ina Fassbender/Reuters)

Nach harten Jahren mit schweren Verlusten verdienen die Warenhäuser wieder Geld im täglichen Geschäft. Der Erfolg hat auch etwas mit dem Werdegang des neuen Chefs zu tun.

Karstadt geht es zwar noch nicht wirklich gut, aber doch wesentlich besser. Die verbliebenen 14 000 Mitarbeiter sollen sogar wieder Weihnachtsgeld erhalten, teilte Karstadt-Chef Stephan Fanderl mit. Jahrelang hatten sie auf Lohn verzichtet, damit das malade Warenhaus wieder auf die Beine kommt. Jetzt gibt es im November wieder Weihnachtsgeld. Das kommt bei den Mitarbeitern gut an und motiviert, das weiß Fanderl. Auch deswegen hat er es gemacht. Wobei aus Gewerkschaftssicht die Rückkehr in die Tarifbindung noch wichtiger wäre. Für den Betriebswirt Fanderl ist hingegen das Entscheidende, dass Karstadt das laufende Geschäft wieder aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Und das, obwohl die Warenhäuser noch im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen operativen Verlust gemacht hatten.

Doch seitdem Fanderl vor einem Jahr das Amt des Geschäftsführers antrat, hat sich die Lage überraschend schnell zum Positiven gewendet. Fanderl strich nicht nur Stellen und schloss Filialen, er hat auch ein klares strategisches Ziel: Jedes Warenhaus soll sich den Bedürfnissen der Kunden am Standort anpassen. Außerdem erwägt er, Elemente der italienischen Gourmet-Kette Eataly in einzelne Warenhäuser zu integrieren. Eataly ist eine Mischung aus Supermarkt, Restaurant, Kochschule und Pasta-Produzent.

Fanderl machte seine Ausbildung im Edeka-Laden seines Vaters und räumte Regale ein

Die schnelle Gesundung von Karstadt hat auch mit dem Werdegang von Fanderl zu tun. Er ist seit längerem erstmals wieder ein Chef, der sich gut im deutschen Einzelhandel auskennt. Der 52-Jährige ist Praktiker und Pragmatiker. Das schätzen die Mitarbeiter, auch solche, die gewerkschaftlich organisiert sind. Fanderl stammt aus einer Kaufmannsfamilie, die in der fünften Generation Einzelhandel betreibt. 1913 eröffneten seine Ururgroßeltern einen Krämerladen in Ingolstadt. Kurz darauf gründete sein Urgroßvater die Edeka Ingolstadt eG mit. Die Geschäfte liefen bald recht gut, der Umsatz wuchs. Fanderls Vater Reiner übernahm das familiäre Geschäft in den 60er Jahren und baute es aus. Heute betreiben er und seine Tochter Sabine als selbstständige Kaufleute vier Läden in Ingolstadt und einen in Abensberg.

Ohne diese Familien-Geschichte wäre Fanderls Verständnis von Management kaum zu verstehen. Die Sanierung von Karstadt würde entsprechend anders verlaufen. Fanderl ist ein Mann des Details, der das Warenhaus von innen heraus sieht und analysiert. Er will nicht allen verbliebenen Kaufhäusern das gleiche Konzept diktieren. Vielmehr setzt er neben dem üblichen Sortiment auf ein für die lokale Klientel bestimmtes Angebot. Da hilft die Edeka-Erfahrung, die Denke selbstständiger Kaufleute in seiner Familie und das Bodenständige.

Schon als Kind packte Fanderl mit an. Nach dem Abitur machte er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Edeka-Laden seines Vaters. Er schleppte Kisten, räumte Regale ein und saß an der Kasse. Aber zumindest dem Vater war klar, dass der Junge höher hinaus wollte. Er studierte Betriebswirtschaft in Regensburg und Köln. Dann ging er mit einem Stipendium an die Sophia-Universität nach Japan, wo er nebenbei Gefallen am Kochen fand und so ein Hobby entdeckte, dem er bis heute treu geblieben ist.

Nicht ganz so dauerhaft war die Bindung zu den Unternehmen, für die er bisher gearbeitet hat. Er fing zunächst bei der Metro Group in Düsseldorf als Abteilungsleiter an. Ein Studienkollege holte ihn dann 2001 zur Rewe-Gruppe, wo er von 2006 an als Vorstand für die Supermärkte zuständig war. Es folgten Stationen beim US-Konzern Walmart und beim Schweizer Discounter Denner. Danach wäre er fast bei Schlecker gelandet, um die Drogerie-Kette zu sanieren. Aber ehe es dazu kam, wurde die Kette abgewickelt.

Jetzt saniert er Karstadt. Es war der frühere Eigner der Warenhauskette, Nicolas Berggruen, der ihn im Oktober 2013 an die Spitze des Aufsichtsrats berief. Fanderl sah daraufhin zwei Geschäftsführer kommen und gehen, ehe er selber im Oktober 2014 die operative Leitung übernahm. Karstadt wurde schließlich von der österreichischen Signa-Holding gekauft. Der neue Eigentümer René Benko hielt nicht nur an Fanderl fest. Der Einzelhandels-Profi war sogar dessen Wunschkandidat. Fanderl ist nebenher Chef der Retail-Sparte von Signa. Benko hat nach den guten Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres nun ehrgeizige Ziele für das kommende Jahr. Zwischen 70 und 80 Millionen Euro soll dann der Gewinn vor Steuern liegen. Fanderl könnte das schaffen, wenn es weiter wie bisher läuft.