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Handel:Auf in die Stadt

Ziemlich genau zum zehnten Geburtstag des Online-Modehändlers Zalando verabschiedet sich das Unternehmen davon, ein reiner Onlinehändler zu sein. Bis Ende des Jahres geht das Unternehmen offline.

Ziemlich genau zum zehnten Geburtstag des Online-Modehändlers Zalando verabschiedet sich das Unternehmen davon, ein reiner Onlinehändler zu sein. Bis Ende des Jahres will sich der Konzern mit mehr als 600 stationären Händlern verbünden, darunter mit großen Marken wie Tommy Hilfiger, aber auch lokalen Anbietern wie dem Schuhparadies in Düsseldorf. Zalando geht offline, einen ersten Schritt in dieser Richtung hatte das Berliner Unternehmen 2017 mit der Übernahme des Münchner Streetwear-Anbieters Kickz gemacht. Jetzt wird die Partnerschaft ausgerechnet mit den Innenstadt-Händlern, von denen viele ums Überleben kämpfen, zu einer grundlegenden Strategie, um mehr Umsatz zu generieren.

"In den vergangenen Jahren konnten wir durchschnittlich schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Produkte pro Jahr nicht ausliefern", sagt Zalando-Manager Carsten Keller. "Der Grund ist ganz einfach: Die Ware war zum jeweiligen Zeitpunkt nicht verfügbar." Weil Zalando sie nicht auf Lager hatte, ging der Kunde leer aus und dem Onlinehändler Umsatz verloren.

Die Modeläden in den Innenstädten sollen noch eine weitere Funktion übernehmen: Sie sollen die Bestellungen verschicken, so dass die Kunden schneller an ihre Ware kommen, als Zalando das bislang allein bewerkstelligen konnte. Für Zalando haben die Innenstädte als Warenlager ein großes Potenzial. Die Zahl möglicher Partner ist nahezu unbegrenzt.

Idealerweise sollen die Verkäuferinnen in diesen Läden, die Kunden dank der Daten, die Zalando über sie hat, persönlich ansprechen und beraten können. Zalando träumt vom digitalen Kleiderschrank, in den auch Verkäufer Einblick haben, um die besten Bekleidungstipps geben zu können. Es ist im Grunde eine Welt, wie es sie früher schon einmal gab, eine Welt, in der Verkäufer ihre Kunden persönlich gut kennen. Auch die anderen großen Online-Modehändler von Amazon Fashion bis hin zu Ottos About You versuchen, ihr Angebot so gut wie möglich zu personalisieren. Digitalisierung hin oder her: An der Art, wie man am besten etwas verkauft, scheint sich über die Jahrzehnte wenig zu verändern.

© SZ vom 17.11.2018
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