Halbleiter-Mangel:Mehr Chips fürs Land

Bundeswirtschaftsminister besucht Infineon und Globalfoundries

Scheiben, die die Welt bedeuten: Mitarbeiter von Globalfoundries mit Wafern, links Minister Altmaier, rechts Firmenchef Tom Caulfield.

(Foto: Matthias Rietschel/dpa)

Wirtschaftsminister Altmaier besucht Fertiger und verspricht Unterstützung durch den Bund und die EU.

Von Helmut Martin-Jung, Frankfurt

Mikrochips treiben die Welt an, doch weniger als zehn Prozent davon werden noch in Europa hergestellt. Die Pandemie und der dadurch verstärkte Mangel an Chips hat auch der Europäischen Union vor Augen geführt, dass das zu einem großen Risiko werden kann. Mit einem Important Project of Common European Interest (IPCEI) soll das nun geändert werden. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat deshalb auch keine Angst, dass etwa die EU die Pläne der Bundesregierung durchkreuzt, die Mikro-Elektronikbranche zum Beispiel in Dresden zu unterstützen.

Rund um die Chipfertiger Bosch, Infineon und Globalfoundries hat sich dort ein Netz von Zulieferern gebildet, es gibt Universitäten und Forschungseinrichtungen. Am Donnerstag besuchte Altmaier Infineon und Globalfoundries und versprach, der Bund werde in den nächsten Jahren bis zu zehn Milliarden Euro investieren, um dabei zu helfen, die Produktionskapazitäten in Silicon Saxony zu erweitern. Der Trend, dass in Europa immer weniger Mikrochips hergestellt werden, müsse umgekehrt werden, so der Wirtschaftsminister. Ein Eingriff in den Markt sei diese Unterstützung nicht, sagte Altmaier, sondern eine marktwirtschaftliche Unterstützung.

Wie wichtig es ist, bei dieser Spitzentechnologie unabhängig zu sein, zeigt nicht zuletzt Chinas unnachgiebige Haltung zu Taiwan. Peking betrachtet sie als Teil Chinas, Taiwan pocht auf seine Unabhängigkeit. Aus Taiwan aber stammen mehr als zwei Drittel der weltweit produzierten Chips.

Das ließ auch Tom Caulfield anklingen, der Chef der amerikanischen Firma Globalfoundries, drittgrößter Chipfertiger der Welt. Die Pläne, in China eine Chip-Produktion aufzuziehen, eine sogenannte Fab, hat er auf Eis gelegt und das soll auf absehbare Zeit auch so bleiben, sagte er. Um für den aktuellen Chipmangel eine Rolle zu spielen, wäre das ohnehin nicht hilfreich, denn: "Es dauert zehn Jahre, bis sich rund um eine Fab das ganze Ökosystem gebildet hat", sagte Caulfield. Daher sei es besser, bestehende Standorte auszubauen - wie eben Dresden.

Die Industrie brauche dringend Chips, sagte Caulfield. Er machte aber auch ziemlich unverblümt deutlich, dass er dabei Hilfe von der Regierung erwartet - so wie das zum Beispiel auch in Singapur der Fall sei. Dies seien keine Subventionen, baute er etwaigen Vorwürfen vor. Es gehe um Investitionen in Zukunftstechnologien. In Dresden will Globalfoundries eine Milliarde Dollar investieren, um die Fertigung auszubauen. In zwei, drei Jahren sei dazu auch der Bau neuer Fertigungsanlagen nötig, um mehr der Siliziumscheiben verarbeiten zu können, auf denen die Chips in einem komplizierten Prozess entstehen.

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