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Haiti:Gigantischer Staubsauger

Die Menschen auf Haiti leiden unter tropischen Wirbelstürmen.

Wenn Martin Steffen bei Vorträgen Fotos von Haiti zeigt, sind natürlich Aufnahmen aus den Slums dabei: Hungernde Kinder, die im Müll wühlen. Männer, die Altreifen abfackeln, um Aluminium einzuschmelzen. Steffen zeigt aber auch das Foto einer Frau, die mit einem Mikrokredit einen kleinen Haushaltswarenladen eröffnet hat und so versucht, sich eine Existenz aufzubauen. "Die Menschen haben so viel Kraft, so viel Energie", sagt der Kölner Fotograf dann. "Das ist absolut faszinierend."

Und dennoch gibt es immer wieder Rückschläge. Neben dem Erdbeben von 2010 waren es vor allem verheerende Wirbelstürme, die den Inselstaat zuletzt heimsuchten. Noch streiten die Wissenschaftler, aber der Journalist Michael Gösele, der mit Steffen die Insel bereist hat, ist sich sicher: "Durch den Klimawandel nehmen Intensität und Häufigkeit der Stürme zu." Je wärmer die Meeresoberfläche werde, "desto stärker wird der Sturm". Als die beiden im Frühjahr 2017 auf Haiti unterwegs sind, kamen sie zusammen mit westlichen Helfern in das kleine Dorf bei Jérémie im Südwesten der Insel. Vier Monate vorher war der Wirbelsturm Matthew über den Ort hinweggefegt. "Wir waren die ersten, die Hilfe von außen gebracht haben", berichtet Steffen. Die relativ waldreiche Gegend war weitgehend kahl, Bananenplantagen zerstört. Nutztiere wie Esel oder Hühner seien nirgends zu sehen gewesen, sie seien quasi weggewirbelt worden. Gösele: "Es hat gewirkt, als wenn da ein gigantischer Staubsauger drübergegangen wäre."

© SZ vom 02.11.2017
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