Griechenland Athener Börse öffnet wieder - und stürzt ab

Die Börse in Athen war seit Ende Juni geschlossen. Am Montag stieg sie wieder in den Handel ein (Archivbild).

(Foto: REUTERS)
  • Die griechische Börse in Athen eröffnet nach mehreren Wochen Zwangspause wieder. Zum Start brechen die Kurse um 22,9 Prozent ein.
  • Der Chef der griechischen Statistik-Behörde tritt überraschend zurück.
  • Aus Protest gegen die Sparmaßnahmen und die geplante Privatisierung streiken die Eisenbahner für mehrere Stunden.

Börse in Athen wieder offen

An der griechischen Börse wird nach einer fünfwöchigen Zwangspause wieder gehandelt. Zum Start stürzten die Kurse um 22,9 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 615,12 Punkten. Der griechische Bankenindex verlor zeitweise sogar 30 Prozent. Das ist ebenfalls ein Rekord-Kurssturz. Der Einbruch wurde erwartet: Händler hatten für den Leitindex in Athen einen Einbruch von zwanzig Prozent oder mehr vorausgesagt.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eine einzige Aktie steigen wird, ist gleich null", sagte ein Händler in Athen vor Börsenstart. Vor allem die Papiere von Banken dürften unter Druck geraten. "Realistisch ist ein Preisabschlag von 15 bis 20 Prozent zur Markteröffnung", sagte ein Vermögensverwalter. Die Inhaber griechischer Aktien hätten über Wochen nicht auf schlechte Nachrichten reagieren können und daher gebe es nun entsprechend Nachholbedarf, sagten Händler.

Grund ist die dramatische wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland. Tausende Unternehmen litten zuletzt unter den geschlossenen Banken. Zudem gilt es keineswegs als ausgemacht, dass Griechenland nun schnell und unkompliziert dringend benötigte Kredite aus einem dritten Kreditpaket erhält. Die Börse in Athen war seit Ende Juni geschlossen. Damals wurden auch die Banken des Landes dichtgemacht, weil Kunden aus Angst vor einer Staatspleite ihre Konten räumten. Um die Kapitalflucht zu begrenzen, wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Mittlerweile sind die Banken wieder geöffnet, es gelten aber noch Einschränkungen.

Statistik-Chef tritt zurück

Inmitten der Vorgespräche über neuen Kredite für Griechenland ist der Chef der Nationalen Statistikbehörde zurückgetreten. Er lege sein Amt aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung nieder, erklärte der seit 2010 amtierende Chef der Behörde Elstat, Andreas Georgiou. Er werde auch nicht im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Sein Schritt könnte die Verhandlungen über die Bedingungen für ein drittes Hellas-Kreditprogramm im Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro komplizierter machen. Schließlich fließen in die Verhandlungen auch Prognosen darüber ein, wie sich das Land in der kommenden Zeit entwickeln wird. Zuletzt hatte ein Insider gesagt, die Vorgespräche über ein drittes Hilfspaket kämen voran.

Im Juli war eine Anklage gegen Georgiou fallengelassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, das griechische Staatsdefizit für 2009 übermäßig hoch dargestellt zu haben. Georgiou war von 2004 bis 2010 stellvertretender Leiter der Statistikabteilung des Internationalen Währungsfonds IWF.

Eisenbahner streiken gegen Privatisierungspläne

Aus Protest gegen Privatisierungspläne haben die griechischen Eisenbahner am Montag für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt. Zahlreiche Fahrten vor allem zwischen Athen und Nordgriechenland seien deshalb ausgefallen, wie die griechische Eisenbahn (TRAINOSE) mit. Zudem sollen am frühen Nachmittag für zwei Stunden alle Fahrten der Stadtbahn ausfallen, die Athen mit dem Flughafen verbinden.

Die griechischen Eisenbahn steht ganz oben auf der Liste der Staatsunternehmen, die privatisiert werden sollen. Mit den Privatisierungen sollen griechische Schulden zurückgezahlt werden.