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Glyphosat:Widersprüchliche Studien verhindern einheitliche Regelungen

Auch in Europa löste die Studie der WHO-Experten eine intensive Debatte aus. Die Zulassung für Glyphosat in der EU sollte im vergangenen Jahr erneuert werden. Die sich widersprechenden wissenschaftlichen Urteile sind einer der Gründe, warum sich die EU-Länder bislang aber nicht darauf einigen können, das Pestizid weiterhin zu genehmigen. Eine Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen.

In den USA hatte Monsanto offenbar einen direkten Draht zu einem Mitarbeiter in der Umweltbehörde, der mit Pestiziden befasst war. Einem Monsanto-Manager soll er Hilfe zugesagt haben, um eine geplante Studie des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. In einer E-Mail wird er mit den Worten zitiert: "Wenn ich es schaffe, das zu killen, sollte ich eine Medaille bekommen." Die Untersuchung fand offenbar nie statt. Eine Stellungnahme der EPA lag zunächst nicht vor.

Andere veröffentlichte E-Mails aus dem Unternehmen legen den Verdacht nahe, dass Monsanto offenbar versucht hat, auf Studien einzelner Forscher Einfluss zu nehmen. "Wir können die Kosten niedrig halten, wenn wir das Schreiben übernehmen, und sie würden es nur redigieren und mit ihrem Namen unterschreiben", heißt es in einer E-Mail. Der US-Konzern widerspricht dem in einer Stellungnahme: Monsanto-Mitarbeiter hätten bei Studien kein Ghostwriting betrieben. Auch der freie Forscher, auf den sich die E-Mail bezogen haben soll, widersprach dem Vorwurf. "Ich würde niemals ein Dokument veröffentlichen, das von jemand anders stammt", sagte er der New York Times.

Die Risikoanalyse von Chemikalien und Pestiziden steht in der EU schon länger in der Kritik. Umstritten ist, dass es im Wesentlichen den Herstellern überlassen bleibt, zu belegen, dass ihre Produkte ungefährlich sind. Studien unabhängiger Forscher spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Auch die europäischen Behörden verlassen sich vor allem auf die Studien der Hersteller. Seit Längerem gibt es Überlegungen in der EU, dies zu ändern. Gescheitert ist dies bislang am politischen Widerstand und dem Druck der Industrie.

© SZ vom 16.03.2017/vit
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