Gleichberechtigung Wenn der Chef immer Thomas heißt

Noch immer dominieren Männer die Vorstände von Börsenfirmen, und sie heißen auch noch oft Thomas.

Börsennotierte Unternehmen in Deutschland kommen mit der ausgeglichenen Besetzung ihrer Vorstände kaum voran. Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax, sind nur 46 Frauen. Das zeigt eine neue Studie der gemeinnützigen Allbright-Stiftung. Ein Umdenken lasse sich noch nicht feststellen, heißt es darin. "Geht es so weiter, haben wir erst in 45 Jahren ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in deutschen Vorständen."

"Die Unternehmen rekrutieren, als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken", sagte die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen. Seit März 2016 waren laut Studie knapp 90 Prozent der Neuanstellungen in Chefetagen männlich. Bei zwei Dritteln handelte es sich um Deutsche, und 64 Prozent der seit diesem Zeitpunkt eingestellten Vorstände sind in Westdeutschland ausgebildet worden. Tatsächlich heißen fünf Prozent der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland Thomas, heißt es in der Studie weiter. Die Verfasser schreiben deshalb vom Thomas-Kreislauf.

"Ein gutes Team ist möglichst vielfältig aufgestellt."

"Je höher es in der Hierarchie geht, umso seltener sind konkrete Ausschreibungen oder Bewerbungsverfahren die Regel", sagte Ankersen. Stattdessen würden die Vorstände "nach Bauchgefühl" rekrutiert. Die Unternehmen gingen auf Nummer sicher und orientierten sich an dem, was schon in der Vergangenheit funktioniert habe.

Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Eine gesetzliche Frauenquote gilt nur für Aufsichtsräte. Und dort sind die deutschen Unternehmen laut der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf einem guten Weg. "Alle quoten-pflichtigen Unternehmen, die 2016 den Aufsichtsrat gewählt haben, haben die Quote erfüllt", sagte ein Sprecher. Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigen das. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 106 Unternehmen, die seit Anfang 2016 zur Quote verpflichtetet sind, bei 27 Prozent. Anders sieht es bei den Vorständen aus. Bei denselben 106 Unternehmen lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte 2016 nur bei 6,5 Prozent, so das DIW.

"Ein gutes Team ist möglichst vielfältig aufgestellt, um Selbstkritik, Innovationsfähigkeit und Profitabilität zu gewährleisten", sagte Allbright-Geschäftsführerin Ankersen. Beispiele wie Volkswagen oder die Deutsche Bank zeigten, wohin das immer gleiche und homogene Rekrutierungsprinzip führten. Ankersen: "Immerhin werden die Frauen sichtbarer, da einige nun an der Spitze von Unternehmen stehen", heißt es in der Studie. Derzeit werden etwa RTL, die Hamburger Hafen und Logistik AG und das Biotech-Unternehmen Medigene von Frauen geführt.