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Verbraucherschutz:Girokonten werden auch in Corona-Zeiten immer teurer

Am Geldautomat

Gratis oder nicht? Nicht immer ist den Kunden klar, welche Gebühren eine Bank oder Sparkasse erhebt.

(Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa)

Bis April haben etwa 400 Geldinstitute die Preise erhöht. Viele Banken raten zudem zum bargeldlosen Bezahlen - und das nicht ganz uneigennützig.

Auch in der Corona-Krise haben viele Banken und Sparkassen ihre Preise für Girokonten angehoben. In den vier Monaten dieses Jahres verteuerten etwa 400 von mehr als 1250 untersuchten Geldinstituten ihre Gebühren. Bis Ende Januar, also noch vor Ausbruch der Pandemie in Deutschland, hatten seit Jahresanfang knapp 200 Banken und Sparkassen die Preise angehoben. Dies geht aus einer Analyse des Verbraucherportals Biallo.de für die Süddeutsche Zeitung hervor. "Die Zeitspanne zwischen den Erhöhungen wird tendenziell immer kürzer. Die Banken versuchen offenbar, über die höheren Preise für die Zahlungs- und Gehaltskonten Einbußen im Zinsgeschäft wettzumachen", sagt Horst Biallo, Gründer und Chef des gleichnamigen Internetportals.

Die neuen Zahlen bestätigen: Die Geldhäuser setzen ihre Preispolitik aus dem vergangenen Jahr fort. 2019 hatten 550 Anbieter, also knapp die Hälfte aller Banken bundesweit, ihre Gebühren für Girokonten erhöht. Auffällig ist dabei, dass die Kredithäuser vor allem bei den auf den ersten Blick günstigeren Kontovarianten verstärkt zugreifen, etwa bei der Girocard (früher EC-Karte), bei Überweisungen, Daueraufträgen oder der Kreditkarte. Preiserhöhungen bei Premiumkonten, bei denen mit einem Pauschalpreis alle Leistungen abgedeckt sind, sind laut dem Verbraucherportal eher selten.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den Preiserhöhungsrunden wider: Das Onlinekonto kostete Ende Januar im Durchschnitt noch 3,42 Euro pro Monat. Ende April waren es schon 3,83 Euro. Bei den Premiumkonten, bei denen meist die Zahl der Buchungen und Abhebungen unbegrenzt ist und die Girocard nichts extra kostet, stieg der Durchschnittspreis von monatlich 10,15 auf 10,25 Euro.

"Die Geldinstitute zeigen sich bei ihrer Preispolitik recht erfinderisch", sagt Biallo. So stellten seine Mitarbeiter bei der Analyse der Girokonten fest, dass etwa jedes zweite Institut einen Extra-Obolus für "beleglose Buchungen" verlangt - bis zu einem Höchstpreis von 0,70 Euro. Den verlangt die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe für das Konto Giro Nispa Klassik. Im Durchschnitt sind es 0,34 Cent.

Teuer wird dies vor allem, wenn man mit seiner Girokarte einkauft und etwa jede Zahlung im Supermarkt bargeldlos abwickelt und später pro Vorgang zum Beispiel 20, 30 oder 40 Cent vom Girokonto abgebucht bekommt. Dann kann im Laufe eines Jahres sogar ein dreistelliger Euro-Betrag zusammenkommen.

"Wenn die Banken in Zeiten von Corona allgemein dazu aufrufen, vermehrt bargeldlos zu zahlen, um sich und andere zu schützen, dann ist der Aufruf natürlich nicht so uneigennützig, wie er daherkommt", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Banken erhielten für jede Kartenzahlung vom Händler und zusätzlich je nach Kontomodell auch vom Verbraucher Geld, während sie an Barzahlungen nichts verdienten, so der Finanzexperte. Ohnehin gibt es laut Bundesbank kein erhöhtes Übertragungsrisiko beim Einsatz von Bargeld.

Experten empfehlen, eine "Entgeltaufstellung" anzufordern. Nur da sind alle Kosten aufgeführt

Nauhauser wirft den Banken außerdem ein Versteckspiel vor: "Statt ehrlich und offen die Entgelte für Kartenzahlungen konkret zu nennen, werden diese im Preisverzeichnis regelmäßig unter Buchungsposten versteckt." Das bestätigt auch Finanzexperte Biallo: "Kunden, die nicht akribisch aufpassen, merken gar nicht, dass bestimmte Buchungen für sie teurer geworden sind." Hinzu kommt: Die Banken müssen zwar ihre Kunden über die gesetzlich vorgeschriebene "Entgeltinformation" über die Preise auf dem Laufenden halten. Hier sind aber nur die "maßgeblichen" Posten aufzuführen. Negativzinsen oder die bargeldlose Zahlung per Girokarte im Supermarkt oder jetzt auch beim Bäcker um die Ecke, sind dort nicht aufgeführt. "Wer diese gesetzliche Entgeltinformation liest, könnte meinen, der Einsatz der Karten sei kostenfrei", sagt Nauhauser.

Der Experte rät Verbrauchern, von ihrer Hausbank eine sogenannte Entgeltaufstellung für das Jahr 2019 anzufordern. Diese müssten die Banken auf Antrag vorlegen und darin sämtliche Kosten, Gebühren, aber auch angefallene Dispozinsen aufführen. Dies soll laut der deutschen Finanzaufsicht Bafin helfen, die Angebote bei den Zahlungskonten besser vergleichen zu können.

Ansonsten gilt immer noch: Wer sich über zu hohe Gebühren ärgert, kann die Hausbank wechseln. Noch ist der Spielraum für Sparer groß. So gibt es laut Biallo.de fast 50 Banken, die bei privat geführten Konten keine Gebühren fordern, ohne Wenn und Aber. Außerdem ziehen immer noch mehr als 60 Geldhäuser keine Monatspauschale fürs Girokonto ein, wenn bestimmte Bedingungen, etwa ein bestimmter Geldeingang im Monat, erfüllt sind. "Man muss sich nicht jedes Verhalten der Kreditinstitute gefallen lassen", sagt Nauhauser.

© SZ vom 11.05.2020/vit

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