bedeckt München 18°

Geschichten aus Griechenland:"Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels"

Sie hat sich hochgearbeitet und verdient nun weniger als vor ihrem beruflichen Aufstieg: Magda Soureli ist enttäuscht. Die Bankerin erzählt, warum sie keine Pläne mehr für die Zukunft macht und welche Reformen Griechenland bräuchte.

Die SZ hat mir ihren Lesern über Facebook, Twitter und Google Plus Menschen gesucht, die in Griechenland leben. Wir haben mit ihnen telefoniert, gesprochen, ihnen zugehört. Und alles aufgeschrieben. Jetzt erzählen wir ihre Geschichten.

Eigentlich heißt das Karriere. Magda Soureli, 35, hat in England promoviert und arbeitet seit Jahren bei der Agricultural Bank of Greece, mittlerweile als Teamleiterin in der Marketingabteilung der Bank. Doch die Krise hat auch sie im Griff.

SZ: Herzlichen Glückwunsch, Frau Soureli, Sie wurden vor kurzem befördert.

Magda Soureli: Ja, aber das ist eine verrückte Situation. Ich wurde wirklich befördert, habe jetzt mehr Leute in meinem Team. Aber ich verdiene weniger als vorher.

SZ: Warum denn das?

Soureli: Meine Bank ist staatlich. Im Rahmen des Sparpakets kürzen diese Betriebe Löhne und Gehälter um 30 Prozent.

SZ: Sie haben sich also hochgearbeitet und verdienen nun weniger als vorher. Was macht das mit Ihnen?

Soureli: Ich bin enttäuscht. Meine Generation fühlt sich, als ob sie keine Träume mehr hat. Wir sind in eine Falle getappt, wir fühlen uns betrogen. Das sind unsichere Zeiten. Und es soll noch schlimmer werden.

SZ: Ihre Bank musste beim Schuldenschnitt mitmachen und hat herbe Verluste erlitten. Die Regierung hat auch angekündigt, die Bank zu privatisieren. Das Sparen in Griechenland wird weitergehen, es ist kein Wirtschaftsaufschwung in Sicht.

Soureli: Das ist das, was mir am meisten Sorgen macht. Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels.

SZ: Hat die Krise Sie verändert?

Sourelli: Mein Lebensstil ist anders geworden. Ich kaufe weniger Anziehsachen, gehe nicht mehr so oft aus: Früher waren wir ein, zwei Mal die Woche weg, jetzt vielleicht nur noch zwei Mal im Monat. Wir fühlen uns aber auch nicht nach Party. Ich habe seit 2010 keinen Urlaub mehr gemacht, und ich habe für dieses Jahr keinen geplant - ich weiß ja nicht, wie viel ich verdiene werde, welches Sparpaket noch kommt.

SZ: Sie haben einen Doktortitel in Finanzwissenschaften. Wie kommt Griechenland aus der Krise?

Soureli: Ich habe den 1600 Seiten langen Text zum Sparpaket nicht gelesen, aber das haben viele Politiker sicher auch nicht. Viele Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Wir brauchen Strukturreformen. Andererseits schließen viele mittlere und kleine Unternehmen, weil die Leute nichts mehr kaufen. Das ist ein Teufelskreis.

SZ: Wie kommt Griechenland da raus?

Soureli: Ein Euro-Austritt ist jedenfalls keine Lösung. Eine Idee wäre es, die Landwirtschaft zu stimulieren. Ein paar junge Leute zieht es schon wieder aufs Land, wo ihre Großeltern herkommen. Back to the basics.

© Süddeutsche.de/jbr/sana
Zur SZ-Startseite