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Georg Fahrenschon:Steuersünder heuert bei Steuerberatung an

CSU-Politiker Georg Fahrenschon war unter anderem bayerischer Finanzminister und Chef des Sparkassenverbandes.

(Foto: lks)
  • Georg Fahrenschon war erst bayerischer Finanzminister und dann Chef des Sparkassenverbandes. Dort flog er wegen einer Affäre um private Steuervergehen raus.
  • Nun hat er seit Anfang des Jahres einen neuen Job bei einer großen Steuerberatungsgesellschaft.
  • Deren Chef sagt: "Jeder hat eine zweite Chance verdient."

Der Lebenslauf von Georg Fahrenschon ist um eine überraschende Wendung reicher. Bisher war der 50-Jährige ein ehemaliger Länderfinanzminister, der danach Sparkassenpräsident wurde, diesen Posten aber verlor, weil er bei der Abgabe seiner Steuererklärungen extrem geschlampt hatte. Nun ist er ein wegen Steuervergehen vorbestrafter Ex-Finanzminister und Ex-Sparkassenpräsident, der in der Steuerberatungsbranche arbeitet.

Die Münchner Steuerberatungsgesellschaft WTS teilte in dieser Woche mit, dass Fahrenschon seit Anfang des Jahres als Generalbevollmächtigter in ihren Diensten steht. "Ich kenne Herrn Fahrenschon seit Langem und habe ihn immer als integre Person erlebt", sagt WTS-Chef Fritz Esterer. Alle, die Fahrenschon kennen würden, lobten seine fachliche Expertise und seine menschlichen Qualitäten. Natürlich habe er einen Fehler gemacht, aber er habe diesen voll eingestanden, das Verfahren sei komplett abgeschlossen. "Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient", sagt Esterer.

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Der Fall von Fahrenschon hatte im November 2017 für Aufsehen gesorgt, auch weil er so skurril war. Der frühere bayerische CSU-Finanzminister, oberster Vorgesetzter aller Finanzbeamten in dem Bundesland, hatte seine Steuererklärungen für 2012, 2013 und 2014 trotz mehrmaliger Ermahnungen seines Finanzamts erst im Jahr 2016 eingereicht. Es soll um mögliche Steuerhinterziehung in sechsstelliger Höhe gegangen sein, vor allem von Einkünften aus seinen Aufsichtsratsmandaten. Die Lage eskalierte so weit, dass die Staatsanwaltschaft schließlich einen Strafbefehl gegen Fahrenschon erließ. Da er diesen nicht akzeptierte, sollte es zum Prozess kommen.

Als der Sachverhalt vor gut einem Jahr bekannt wurde, war Fahrenschon nicht mehr als Sparkassenpräsident zu halten. Man kreidete ihm vor allem an, dass er ein halbes Jahr lang niemanden über den bevorstehenden Prozess informiert hatte; im November 2017 sollte eigentlich sein Vertrag als Präsident des Sparkassen-Bundesverbandes DSGV verlängert werden.

Anfang 2018 musste Fahrenschon gehen, im April einigte er sich dann mit der Staatsanwaltschaft darauf, einen Strafbefehl über 140 Tagessätze wegen Steuerhinterziehung zu akzeptieren; er gilt damit als vorbestraft. Mit der Einigung wollte er einen öffentlichen Prozess vermeiden, "um weiteren Schaden von meiner Familie durch ein wochenlanges Verfahren abzuwenden", teilte er damals mit.

"Herr Fahrenschon füllt bei uns ja keine Steuererklärungen aus"

Nun hat Fahrenschon wieder einen Job. WTS ist mit einem Jahresumsatz von 125 Millionen Euro die fünftgrößte Steuerberatungsgesellschaft in Deutschland. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und wächst jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Bisher war WTS spezialisiert auf Großunternehmen wie Dax-Konzerne, künftig will die Gesellschaft unter anderem auch wachsen, indem sie Familienunternehmen und den industriellen Mittelstand bei der Expansion ins Ausland begleitet.

Ihr Chef Esterer leitete vorher 13 Jahre lang die Steuerabteilung des Siemens-Konzerns. "Herr Fahrenschon wird bei uns seine Kontakte und Netzwerke einbringen", sagt er. Steuerberatung werde immer komplexer, wichtig seien deshalb auch strategische Allianzen mit anderen Beratungsfirmen, mit Datenmanagern, mit dem Zollbereich, mit Experten in künstlicher Intelligenz. "Dazu brauchen wir Leute wie Fahrenschon, die über den Tellerrand hinausblicken", sagt Esterer. Außerdem habe er als ehemaliger Finanzminister hervorragenden Einblick in steuerpolitische Abläufe und könne Unternehmen auch damit helfen.

Esterer fügt hinzu, man habe die Personalie nicht blauäugig entschieden. "Wir sind eine internationale Steuerberatung, nicht der Steuerberater um die Ecke", sagt er, humorvoll könne man auch sagen: "Herr Fahrenschon füllt bei uns ja keine Steuererklärungen aus."

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