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Gehälter in Deutschland:Topmanager - so wertvoll wie Dutzende Angestellte

Die Vorstandsmitglieder in den deutschen Top-Unternehmen verdienen laut einer Studie im Schnitt 53 Mal so viel wie durchschnittliche Beschäftigte in ihren Firmen. Besonders drastisch fallen die Unterschiede zwischen Topmanagement und Arbeitern beim Autohersteller Volkswagen aus.

Die Schere zwischen den Gehältern von Vorständen und durchschnittlichen Beschäftigten klafft bei den deutschen Top-Konzernen weit auseinander. Die Manager der Dax-Unternehmen verdienten nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 2011 im Durchschnitt 53 Mal so viel wie die Beschäftigten in ihren Firmen.

Am größten waren die Gehaltsunterschiede bei Volkswagen: Dort hätten die Vorstandsmitglieder 170 Mal so viel erhalten wie ein durchschnittlicher Beschäftigter.

VW-Chef Martin Winterkorn ist derzeit Deutschlands bestbezahlter Manager. Im vergangenen Jahr erhielt er etwa 14,5 Millionen Euro. Enorme Gehaltsunterschiede stellten die Verfasser der Studie auch beim Handelskonzern Metro und dem Sportartikelhersteller Adidas fest.

Zwangsbescheidenheit bei der Commerzbank

Für die Untersuchung hatten die Experten der Hans-Böckler-Stiftung die Geschäftsberichte der Dax-30-Unternehmen ausgewertet und die Vorstandvergütungen mit dem durchschnittlichen Personalaufwand pro Beschäftigtem - abzüglich der Vorstandsvergütung - verglichen.

Am geringsten waren die Unterschiede demnach bei der Commerzbank, deren Vorstände als Bedingung für staatliche Finanzhilfen einen Gehaltsdeckel akzeptieren mussten. Doch auch beim Nivea-Hersteller Beiersdorf lagen die Vorstandsgehälter mit dem 20-fachen eines Durchschnittsverdienstes relativ niedrig.

Eine einheitliche Entwicklung konnten die Forscher nicht ausmachen. Im Trend zeige sich jedoch, dass in 19 von 25 Firmen die Ungleichheit zwischen 2005 und 2011 zugenommen habe. Deutliche Veränderungen nach oben oder unten könnten mehrere Gründe haben: Neben der aktuellen Geschäftsentwicklung spiele auch eine Rolle, ob Mehrjahresboni fällig geworden seien. "Wenn ein Unternehmen neuen Beschäftigten niedrigere Löhne zahlt, etwa bei einer Expansion im Ausland, schlägt sich das ebenfalls nieder", erklärten die Autoren.

In anderen Ländern ist die Einkommensschere noch größer. In den USA etwa streichen die Chefs der 350 größten Unternehmen das 273-Fache ein, wie die Böckler-Stiftung unter Verweis auf eine Studie des Economic Policy Institute (EPI) für 2012 berichtete.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/bero/bavo

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