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Gefeuerte Yahoo-Chefin Carol Bartz:"Diese Leute haben mich verarscht"

Die per Telefon gefeuerte Yahoo-Chefin Carol Bartz ist außer sich vor Wut - in ersten Interviews macht sie ihrem Ärger Luft. Die Verwaltungsräte nennt sie "Blödmänner" und "Idioten" - und das ist noch lange nicht alles. Manche Zeitungen trauen sich aber nicht, das Gesagte abzudrucken.

Carol Bartz hat Wut im Bauch. Die vom Yahoo-Verwaltungsrat per Telefon gefeuerte Konzernchefin nimmt bei ihrem ersten Interview nach dem Rauswurf kein Blatt vor den Mund. "These people fucked me over" - "Diese Leute haben mich verarscht" - diktierte sie einer Reporterin des US-Magazins Fortune in den Block.

File photo of Yahoo CEO Carol Bartz during conference in San Francisco

"Warum hast du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?" - die per Telefon gefeuerte Yahoo-Chefin Carol Bartz nimmt bei ihrem ersten Interview nach dem Rauswurf kein Blatt vor den Mund.

(Foto: Reuters)

Ausführlich erzählt Bartz, wie sich das Telefongespräch zwischen ihr und Verwaltungsratschef Roy Bostock abgespielt habe: Sie sei in New York gewesen, um am nächsten Tag auf einer Konferenz zu sprechen, gegen 18 Uhr habe sie anrufen sollen. "Ich rief ihn um 18:06 Uhr an", sagt Bartz. Bostock habe sofort angefangen, ein von Anwälten vorbereitetes Schreiben vorzulesen. Sie habe gesagt: "Warum hast du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?" Dann habe sie gesagt: "Ich hab's kapiert." Und: "Ich dachte, du hättest mehr Klasse."

Im Laufe des Interviews steigert sich Bartz noch. Sie nennt die Yahoo-Verwaltungsräte "Blödmänner" oder "Idioten". Die Sprache ist für amerikanische Verhältnisse derart derb, dass manche Zeitung sich nicht mal traut, das Gesagte zu Papier zu bringen. Als das "Wall Street Journal" über Bartz' verbale Attacken berichtet, gleicht das Ergebnis einem Lückentext.

Bartz hatte am Dienstagabend nach zweieinhalb Jahren an der Konzernspitze gehen müssen. Yahoo hatte unter Bartz immer mehr Boden gegen die Konkurrenten Google und Facebook verloren. Welche Schuld die 63-Jährige persönlich daran trägt, darüber streiten sich die Beobachter.

Die Suche nach einem neuen Chef läuft. Bis auf Weiteres hat Finanzchef Timothy Morse das Ruder übernommen. Anleger freuten sich über die überraschende Entlassung Bartz': Kurz nach Bekanntwerden ihrer Entlassung stieg die kriselnde Aktie nachbörslich um mehr als sechs Prozent.

Bei Yahoo stehen große Veränderungen an

Wie es langfristig bei Yahoo weitergeht, ist unklar. Verwaltungsrats-Chef Roy Bostock hatte erklärt, dass die strategische Ausrichtung überprüft werde. Im Klartext heißt das: Es stehen größere Veränderungen an. Denkbar wäre, dass sich Yahoo von seinen wertvollen Beteiligungen in Asien so wie dem 40-Prozent-Anteil an der chinesischen Handelsplattform Alibaba trennt, um mit dem Geld dann einen Vorstoß in Richtung soziale Netzwerke zu machen. Möglich wäre aber auch, dass sich Yahoo einem anderen Konzern zum Kauf anbietet.

An der Börse ist das Internet-Urgestein derzeit rund 17 Milliarden Dollar wert. Anfang 2008 hatte der damals amtierende Yahoo-Chef und Unternehmensgründer Jerry Yang allerdings noch ein Übernahmeangebot von Microsoft ausgeschlagen, bis zu 47,5 Milliarden Dollar hatte der Softwareriese geboten. Yang sitzt bis heute im Verwaltungsrat und gilt als eine der einflussreichsten Figuren. Yahoo kooperiert heute mit Microsoft bei der Internetsuche.

Die gefeuerte Yahoo-Chefin Bartz muss derweil nicht mit leeren Händen gehen: Sie dürfte um die 10 Millionen Dollar bekommen (7 Mio Euro). Der Grund für die hohe Abfindung ist, dass ihr Vertrag eigentlich noch eineinhalb Jahre weitergelaufen wäre. Laut einer Börsenmitteilung von April hätten Bartz 10,4 Millionen Dollar zugestanden, wenn sie am Ende des vergangenen Jahres ausgeschieden wäre. Die Hälfte davon wäre in bar ausbezahlt worden, die andere Hälfte in Aktien. Die Summen dürften im Wesentlichen bis heute Bestand haben. Denn laut einer Mitteilung vom Mittwoch gibt es keine neue Vereinbarung.

© sueddeutsche.de/maza/fo
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