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Früherer Air-Berlin-Chef Hunold:Abfindung sichert weiche Landung

"Entschädigung für den Verlust seiner Position": Der ehemalige Chef von Air Berlin, Joachim Hunold, soll bei seinem Abgang eine millionenschwere Abfindung kassiert haben. Andererseits ist auch er persönlich von dem Verfall der Air-Berlin-Aktie betroffen.

Für die meisten Vorstände der Fluggesellschaft Air Berlin war das Jahr 2011 mit Gehaltseinbußen verbunden. Kein Wunder angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens, deren Details Air Berlin am Freitag berichten wird. Für einen ist das Jahr aber zumindest beim Gehalt gut gelaufen: Ex-Vorstandschef Joachim Hunold.

Bilanz-Pk Air Berlin zum Jahresergebnis 2009

Joachim Hunold soll bei Air Berlin einen vergoldeten Abgang gehabt haben.

(Foto: dpa)

Nach SZ-Informationen hat ihm der Verwaltungsrat von Air Berlin "als Entschädigung für den Verlust seiner Position" mindestens 4,09 Millionen Euro zugestanden. Zusammen mit Hunolds regulärem Gehalt summieren sich damit die Einkünfte somit auf gut 4,8 Millionen Euro. Zusätzlich hat Hunold noch erhebliche Pensionsansprüche an seinen früheren Arbeitgeber. Air Berlin wollte sich auf Anfrage zu den Zahlen nicht offiziell äußern.

Den Informationen zufolge setzt sich die Abfindung aus dem noch ausstehenden Gehalt Hunolds, Bonuszahlungen und weiteren Leistungen zusammen, die bis Ende September 2014 fällig werden. Hunold war im August vergangenen Jahres von seinem Posten zurückgetreten.

Ohne Hunold, da sind sich die meisten Branchenkenner einig, wäre Air Berlin niemals so groß geworden, wie das Unternehmen heute ist. Der ehemalige LTU-Manager übernahm die Mehrheit an der Fluggesellschaft 1991 und organisierte ihren Aufstieg vom kleinen Nischenanbieter zu Europas sechstgrößter Airline. Doch das starke Wachstum hatte seinen Preis: In den vergangenen Jahren liefen hohe Verluste auf. Hunold versäumte es, Konzernstrukturen in dem Unternehmen aufzubauen. Es war ganz auf ihn zugeschnitten. Als die Lage immer brenzliger wurde, ging der Übervater.

Nachfolger Hartmut Mehdorn suchte angesichts der schwindenden finanziellen Reserven in Windeseile neue Investoren und fand nur etwa drei Monate später Etihad Airways. Am kommenden Dienstag tritt Air Berlin zudem der Oneworld-Allianz mit British Airways bei. Diese Entscheidung, noch von Hunold selbst im Jahr 2010 getroffen, ist nach wie vor umstritten. Denn spätestens mit Oneworld verlässt Air Berlin die Nische und tritt in direkte Konkurrenz mit Branchengrößen wie Lufthansa.

Abfindung hin oder her - auch Hunold hatte eine finanzielle Einbuße an anderer Stelle: Seine 1,95 Prozent, die er noch am Unternehmen hält, sind derzeit nur noch knapp vier Millionen Euro wert. Als die Air-Berlin-Aktie noch gut stand, war es fast das Zehnfache.

© SZ vom 15.03.2012/mkoh

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