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Frankreich: Louis Vuitton Moët Hennessy:Luxus-Hochzeit in Paris

Ein Milliardär schleicht sich an: Bernard Arnault, reichster Mann Frankreichs und Herrscher über 1001 Luxusmarken, gelingt ein Coup, indem er sich ein großes Aktienpaket am Konkurrenten Hermès sichert. Doch welche Pläne hat er nun?

Dass sich ein paar hübsche Luxus-Schnäppchen nach der Krise zum Kauf anbieten würden, war erwartet worden. Die globale Rezession hatte die Welt des schönen Scheins kräftig durcheinandergewirbelt. Um fast neun Prozent war der Umsatz im vergangenen Jahr mit exquisiten Krokodilleder-Schuhen und Brillant-Uhren eingebrochen, so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die italienischen Marken mit den klangvollen Herrennamen Gianfranco Ferré, Salvatore Ferragamo oder Roberto Cavalli galten unter Experten als die offensichtlichsten Übernahmekandidaten. Jetzt kam es ganz anders.

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Der Luxus-Konzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) übernimmt ein Aktienpaket am Konkurrenten Hermès.

(Foto: AFP)

Bernard Arnault, der französische Herrscher über 1001 Luxusmarken, schlug im eigenen Land zu. Der Chef der Holding LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) tat dies obendrein bei einem Unternehmen, das die Krise so gut wie kaum ein anderes durchstanden hatte: Hermès International. Das unabhängige Familienunternehmen ist ein vor Kraft strotzender Luxuskonzern, bekannt für seine Seidentücher und Handtaschen namens Kelly und Birkin. Arnault will, wie seine Holding ausdrücklich mitteilte, Hermès nicht übernehmen. Der äußerst diskrete Milliardär teilte ausdrücklich mit, "in freundschaftlicher Absicht" 14,2 Prozent des Kapitals an Hermès erworben zu haben, ein Paket, das in Kürze auf 17,1 Prozent anwachse.

Der reichste Mann Frankreichs zahlte dafür 1,45 Milliarden Euro. Jetzt ist er in Besitz von mehr als der Hälfte der frei handelbaren Aktien von Hermès. Etwa drei Viertel davon seien, wie Hermès Deutschland am Montag mitteilte, unter Kontrolle der Familien Dumas, Puech und Guerrand, den fernen Nachfahren des Firmengründers Thierry Hermès. Die Familien seien sich einig, heißt es in dem Kommuniqué: Sie hätten die gleiche Vision über die Zukunft des Hauses und niemand denke daran, einen "signifikanten" Teil seiner Aktien zu veräußern.

Der Einstieg von LVMH kann ihnen in einem Punkt sogar recht sein. Er beflügelte den Aktienkurs weiter. Dieser stieg zwar seit Anfang des Jahres schon um fast 90 Prozent und erreichte im Oktober die historische Rekordmarke von 180 Euro pro Aktie. Der am Wochenende bekannt gewordene Zukauf des gewieften Arnault katapultierte den Kurs am Montag aber auf über 200 Euro.

Arnault zahlte freilich nicht diesen Höchstpreis, sondern dem Vernehmen nach im Schnitt nur etwa 80 Euro pro Aktie, ein Schnäppchenpreis. Er muss vor Jahren erste Anteile erworben haben, ohne dabei die Schwelle von fünf Prozent am Gesamtkapital zu überschreiten. In dem Fall hätte er seinen Einstieg publik machen müssen, so schreibt es das französische Aktiengesetz vor. Er erwarb hingegen über Zwischenhändler Kaufoptionen und "schlich" sich an Hermès heran. Der Vorgang erinnert an den Einstieg von VW bei Porsche oder Schaeffler bei Continental.

Debatte wie in Deutschland

Der Zukauf von LVMH löste am Montag in Frankreich ähnlich wie in Deutschland Diskussionen über das Aktienrecht aus. Allerdings betont Arnault, er wolle nicht einmal einen Sitz im Verwaltungsrat. Da Hermès wie Henkel oder Michelin eine Kommanditgesellschaft auf Aktien ist, wäre eine Übernahme auch schwierig. Die Rechtsform garantiert den Familienmitgliedern je nach Statut sogar die Stimmrechtsmehrheit, wenn diese weniger als 50 Prozent der Aktien besitzen. Solange die drei Familien zusammenstehen, haben Angreifer also kaum eine Chance.

Arnault weiß das und setzt auf Zeit. Er steht bereit, weitere Aktien zu kaufen, wenn sich Familienmitglieder davon trennen wollen. Seine Taktik geht aber darüber hinaus. In der Mitteilung heißt es: "Unser Ziel ist es, ein langfristiger Aktionär von Hermès zu sein und zum Erhalt des familiären und französischen Charakters beizutragen." Hermès soll also dank des Einstiegs auch französisch bleiben. Dieser Hinweis lenkt den Blick auf Unternehmen wie den Schweizer Luxuskonzern Richemont, zu dem unter anderem Cartier gehört. Arnault fürchtete, jemand könnte ihm zuvorkommen. Dem hat er einen Riegel vorgeschoben.

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