Luftfahrt:Flughafen Frankfurt-Hahn meldet Insolvenz an

Gangways auf dem Flughafen Frankfurt Hahn Deutschland Rheinland Pfalz Flughafen Hahn gangways on

Einst zählte der Regionalflughafen Frankfurt-Hahn jährlich bis zu vier Millionen Passagiere, davon ist er mittlerweile weit entfernt.

(Foto: S. Ziese/imago/blickwinkel)

Einst zählte der Regionalflughafen jährlich bis zu vier Millionen Passagiere, doch dann kamen die Corona-Reisebeschränkungen. Bei staatlichen Zuschüssen ging Hahn leer aus. Nun ist die Betreibergesellschaft pleite.

Der Betreiber des Regionalflughafens Frankfurt-Hahn im rheinland-pfälzischen Hunsrück ist insolvent. Das geht aus Veröffentlichungen des Amtsgerichts Bad Kreuznach hervor. Nach einer bewegten Geschichte und einer zwischenzeitlichen Übernahme durch einen angeschlagenen chinesischen Mischkonzern droht dem Airport infolge der Corona-Krise nun das Aus. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Frankfurter Anwalt Jan Markus Plathner.

Der Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Mischkonzern HNA. Das Unternehmen hatte die Anteile 2017 für etwa 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz erworben, den Rest der hält das Land Hessen. Zuletzt hatte die Festnahme der Führungsspitze des finanziell angeschlagenen HNA-Konzerns Aufsehen erregt. Der Betreiber des Hunsrück-Flughafens betonte seinerzeit, das habe keine Auswirkungen auf den Hahn. Der Flughafen sei auf gutem Kurs, hieß es noch Anfang Oktober.

Das scheint sich nicht zu bewahrheiten. Beim Amtsgericht Bad Kreuznach gingen nun insgesamt fünf Insolvenzanträge im Zusammenhang mit dem Flughafen ein. Darunter ist auch die HNA Airport Group GmbH, über die HNA seine Beteiligung hält. Der chinesische Mischkonzern hatte im vergangenen Februar selbst Insolvenz angemeldet.

Der einstige US-Militärflughafen verbuchte zuletzt Zuwächse beim Frachtgeschäft und profitierte unter anderem vom Boom des Online-Handels sowie von Container-Engpässen im Seegeschäft. Beim Passagiergeschäft musste der Hahn dagegen immer wieder Rückgänge hinnehmen, auch schon vor den Corona-Reisebeschränkungen 2020.

Viele deutsche Flughäfen waren wegen der Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Anfang des Jahres hatte das Finanz- und das Verkehrsministerium dann Zuschüsse in Höhe von 200 Millionen Euro genehmigt, wenn die Länder den gleichen Betrag zur Verfügung stellen. Doch die Zuschüsse wurden nur an zwölf Flughäfen vergeben. Frankfurt-Hahn ging leer aus.

Goetzmann betonte Anfang Oktober, den Flughafen ohne Beihilfen und ohne Kurzarbeit durch die Corona-Pandemie gesteuert zu haben. Die Flughafen-Geschäftsführung erwartete laut ihrem im Bundesanzeiger veröffentlichten Bericht für 2020 allerdings einen Fehlbetrag. Je nach Verlauf der Pandemie plane man, "dass bis zum Jahr 2024 ein positives Konzernjahresergebnis erreicht werden kann", hieß es darin. Danach dürfen Flughäfen gemäß EU-Recht generell keine staatliche Subventionen mehr bekommen.

Die erste Passagiermaschine landete 1993

Der Flughafen Hahn war ursprünglich ein Flughafen der US-Streitkräfte und wurde nach Ende des Kalten Krieges für die zivile Nutzung umgebaut. Das erste Passagierflugzeug landete 1993. Anfangs lief der Betrieb nur schleppend an. Das änderte sich, als 1999 die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair den Flughafen Hahn zu einem ihrer Stützpunkte machte. Gefördert durch üppige Subventionen der rheinland-pfälzischen Landesregierung wurde Hahn stetig ausgebaut, es entstand ein neues Terminal, große Parkplatzflächen und diverse neue Zufahrtsstraßen.

Ryanair vermarkte den Flughafen lange als "Frankfurt Hahn", was bei Verbraucherschutzorganisationen auf Kritik stieß, weil der Flughafen mehr als 120 Kilometer von Frankfurt entfernt mitten im Hunsrück liegt. Auch von den anderen Städten in der Region - Saarbrücken, Trier, Koblenz, Mainz oder Ludwigshafen - müssen Fluggäste längere Strecken mit dem Auto oder dem Bus zurücklegen; der Flughafen hat keine Eisenbahnanbindung.

Höhepunkt der Auslastung war das Jahr 2007 mit etwa vier Millionen Passagieren. Danach ging deren Zahl kontinuierlich zurück, auf 1,5 Millionen im Vor-Corona-Jahr 2019. Den Landesregierungen in Mainz und Wiesbaden war es über die Jahre nicht gelungen, sich aus der Abhängigkeit von Ryanair zu befreien. Zeitweise war der Billigflieger die einzige Airline, die von dem Flughafen abhob.

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