Flugverkehr Aus für Germania

Eine Germania-Maschine am Boden: Die Rettungsversuche des Insolvenzverwalters sind gescheitert.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die insolvente Airline wird Anfang April stillgelegt, 1600 Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen den Firmenchef.

Von Jens Flottau

Frankfurt Die insolvente Fluggesellschaft Germania wird endgültig abgewickelt. Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg bestätigte dies am Montag; bis zuletzt seien zwar Verhandlungen mit möglichen Investoren für einzelne Unternehmensteile geführt worden, eine Einigung habe sich aber immer in letzter Sekunde zerschlagen.

"Angesichts der Ausgangslage war es von Anfang an klar, dass eine Rettung extrem schwierig sein würde", so Wienberg. "Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen." Er habe "den Interessenten den roten Teppich ausgerollt. Leider konnte oder wollte keine drüber gehen."

Germania hatte Anfang Februar einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt und den Flugbetrieb dabei sofort eingestellt. Die Airline hatte eine Flotte von 37 Flugzeugen, von denen einige in Bulgarien und in der Schweiz stationiert waren. In Deutschland verlieren durch die Pleite gut 1600 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter bekommen in den nächsten Tagen ihre Kündigung und werden von Anfang April an freigestellt. Die Fluggesellschaft war lange Zeit auf Nischenstrecken spezialisiert, die weder für klassische Linien- noch für Ferienfluggesellschaften interessant waren. Außerdem hat Germania über viele Jahre einen großen Teil der Flotte an andere Airlines vermietet und damit einmal gute Margen eingefahren. Das Leasing-Geschäft ist über die Jahre aber kleiner geworden und schließlich ganz weggefallen. Gleichzeitig hat Germania im vergangenen Jahr versucht, von der Air-Berlin-Pleite zu profitieren und ist sehr stark gewachsen. Damit ist die Fluggesellschaft immer mehr in das klassische Feriengeschäft hineingeraten. In der Branche gab es schon im vergangenen Jahr große Zweifel am Geschäftsmodell und daran, wie das Wachstum finanziert werden kann.

Zuletzt gab es nur für Teile des Unternehmens Interessenten, aber auch die sprangen ab

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Germania-Chef Karsten Balke wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug. In dem Verfahren geht es darum, ob Germania noch Tickets verkauft hat, obwohl sie eigentlich schon zahlungsunfähig war und demnach hätte Insolvenz anmelden müssen. Balke, der Mehrheitseigentümer der Germania war, weist die Vorwürfe zurück.

Zuletzt waren nach Angaben von Wienberg mehrere mögliche Investoren an Teilen von Germania interessiert, eine Übernahme des Unternehmens insgesamt war schon seit Längerem vom Tisch. Zuletzt gab es noch Verhandlungen mit einem möglichen Käufer für den Flugbetrieb, es gab zwei Interessenten für Wartung und Technik. Wienberg hatte auch versucht, einen Spezialanbieter für sogenanntes Wet-Leasing auf die Beine zu stellen. Dabei werden Flugzeuge zusammen mit Besatzungen vermietet. Allerdings konnte Germania zuletzt die Leasingraten für die eigenen Flugzeuge nicht mehr begleichen, immer mehr Maschinen gingen an die Eigentümer.

Wienberg betonte, das Insolvenzrecht erlaube nun keine Fortführung des Betriebes mehr, denn daraus würden sich Nachteile für die Gläubiger ergeben.