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Luftverkehr:Lilium setzt auf Flughäfen München und Nürnberg

Schon 2025 sollen die Lilium-Jets regulär als Flugtaxis eingesetzt werden.

(Foto: oh)

Das regionale Flugtaxi soll schon bald Zubringerdienste zu den bayerischen Airports leisten. Erste Gespräche mit den Betreibern laufen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Gerade erst haben die Deutsche Bahn und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) über einen neuen "Meilenstein" ihrer Zusammenarbeit berichtet. Sie wollen irgendwann ein Viertel des innerdeutschen Luftverkehrs vom Flugzeug auf die Bahn transferieren. Das Problem ist nur, dass viele Flughäfen keinen guten Bahnanschluss haben. Besonders gravierend ist das in München, einem Drehkreuz, an dem viele Passagiere gleich mit dem Zug weiterfahren wollen. Voraussichtlich viele Jahre lang wird sich daran, wenn überhaupt, erst einmal nichts ändern.

Für Passagiere mit einem ausreichend großen Reisebudget könnte es allerdings früher eine Alternative geben. Denn das Flugtaxi-Unternehmen Lilium aus Oberpfaffenhofen bei München plant nun, "Knotenpunkte" an den Flughäfen in München und Nürnberg aufzubauen und hat nach eigenen Angaben einen Teil der Produktion für die beiden Basen eingeplant. Ähnliche Pläne gibt es schon für die Flughäfen von Köln und Düsseldorf und einige Airports in Florida.

Lilium entwickelt derzeit den siebensitzigen Lilium Jet. Das elektrische Flugtaxi soll 2025 zum ersten Mal an mehreren Standorten weltweit eingesetzt werden. Lilium hatte zuletzt bekanntgegeben, mit der Quell Acquisition Corporation fusionieren zu wollen. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Special Purpose Acquisition Company (SPAC), die an der Börse notiert wird und in Lilium investiert. Das Unternehmen rechnet dadurch mit Zugriff auf 830 Millionen US-Dollar, nach eigenen Angaben genug, um die Entwicklung und die anfängliche Produktion des Lilium Jet zu finanzieren.

Lilium rechnet mit Reichweite von 280 Kilometern

Das Projekt gilt als technologisch sehr ambitioniert und es ist nicht sicher, dass es am Ende hält, was Lilium verspricht. Es gibt zudem viele offene Fragen in Sachen Luftraumnutzung und Marktgröße. Lilium jedenfalls positioniert den Jet als regionales Transportmittel und rechnet auf der Basis von besonders leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien mit einer Reichweite von 280 Kilometern. Damit wären zunächst locker Flüge zwischen den Flughäfen München und Nürnberg möglich, aber eben auch Verbindungen zu Zielen, die derzeit von den Flughäfen aus nicht gut zu erreichen sind. Geschäftsreisende könnten sich etwa nach der Landung in München per Lilium Jet nach Passau oder Kempten fliegen lassen. Mit den beiden Flughäfen laufen Gespräche darüber, auf welchen Flächen Lilium das benötigte kleine Terminal und den Landeplatz für die Senkrechtstarter bauen könnten. In Nürnberg wäre das auf einer Fläche in Laufdistanz des Hauptgebäudes. In München ist noch nicht klar, wo die Maschinen landen könnten. Wegen des regulären Flugbetriebs auf den zwei Startbahnen dort ist die Sache aus Sicht der Flugsicherung kompliziert.

Den Bahnanschluss ersetzen kann Lilium freilich nicht: die angestrebten Kilometerpreise ähnlich einer Taxifahrt werden von manchen Experten angesichts des zu erwartenden Energieverbrauches als zu niedrig angesetzt. Aber selbst, wenn die Flüge pro Kilometer nicht teurer würden, gingen sie wegen der langen Strecken für die meisten Urlauber zu sehr ins Geld.

© SZ
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