Flugsicherheit "Die Beschäftigten können nicht mehr für ein fehlerfreies Arbeiten garantieren"

Beispiel Düsseldorf: Viele Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sind krank, das Personal fehlt.

(Foto: Maja Hitij/picture alliance/dpa)
  • Steigende Fluggastzahlen, weniger Personal: Am Düsseldorfer Flughafen fühlen sich viele Kontrolleure überlastet.
  • Den Personalmangel an den Flughäfen spüren auch die Passagiere. Sie müssen teilweise deutlich länger in der Warteschlange stehen.
Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Den Hinweis, man möge bitte zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein, nehmen Vielflieger ja längst nicht mehr ernst. Allzu oft saß man am Gate herum, da Check-in und Kontrollen schnell vorbei waren. Doch in Düsseldorf ist dieses Jahr alles anders. An vielen Vormittagen bilden sich lange Schlangen vor den Sicherheitskontrollen. In Stoßzeiten musste der Flughafen den Zugang zu einzelnen Terminals sperren. Zudem sind Park- und Halteplätze schon lange knapp an Deutschlands drittgrößtem Flughafen. So kommt es, dass viele Fluggäste in diesem Sommer beim Anstehen hektisch werden - etwa weil ihr Boarding begonnen hat, berichten Beschäftigte der Sicherheitskontrollen. Mitte August verpasste eine Schülergruppe gar ihren Flieger. Der Flughafen bedauert die Vorkommnisse, die "ausgesprochen unbefriedigend und ärgerlich" seien.

Mehr als 130 Sicherheitsassistenten am Flughafen Düsseldorf haben nun eine Überlastungsanzeige gestellt, weil das Personal nicht reiche für die vielen Reisenden. "Die Beschäftigten können nicht mehr für ein fehlerfreies Arbeiten garantieren", warnt Özay Tarim von der Gewerkschaft Verdi. Mit der Anzeige wollen sich die Kontrolleure vor rechtlichen Konsequenzen schützen. Wenn sie etwas übersehen, kann das böse Folgen haben - für ihre berufliche Existenz und für die Luftsicherheit.

Fluggäste zu kontrollieren, ist Aufgabe des Staates. Doch in den Neunzigerjahren hat die Bundespolizei private Sicherheitsdienstleister beauftragt. Seitdem kontrollieren im Regelfall angestellte Luftsicherheitsassistenten Passagiere und Gepäck. Etwa 17 000 Beschäftigte gibt es bundesweit. Unternehmen wie Frasec, Kötter oder Securitas konkurrieren um die Dienstleistungsverträge, die über Jahre laufen. Das soll der öffentlichen Hand Kosten sparen.

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In Düsseldorf kommt in diesem Sommer aber einiges zusammen, das Schattenseiten der Privatisierung offenbart. Größtes Problem: Die Bundespolizei hat erst Ende April mitgeteilt, dass der Dienstleister in den Sommermonaten deutlich mehr Kontrollstunden besetzen muss, weil der Flughafen mehr Passagiere prognostiziert hatte. Allerdings benötigt die Firma Kötter ein halbes Jahr Vorlauf, bis sie zusätzliche Assistenten einsetzen kann. Bewerber müssen nämlich nicht nur ein Führungszeugnis vorlegen, sondern auch eine Ausbildung durchlaufen und eine Prüfung bestehen. Wie es sich eben gehört für eine hoheitliche Aufgabe.

Doch das wird zum Problem, wenn ein Flughafen wie Düsseldorf von einem Passagierrekord zum nächsten eilt. Airport-Kreisen zufolge erwartet das Drehkreuz in diesem Jahr 13 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahr. Die gute Konjunktur beflügelt den Markt der Geschäftsreisen und Urlaubsflüge; zudem lässt der Wettbewerb der Billigflieger die Preise sinken - und die Auslastung der Flugzeuge steigen. Daher wächst der Luftverkehr in Deutschland seit Jahren. Die fünf größten Flughäfen verzeichneten im vergangenen Jahr 24 Prozent mehr Passagiere als noch vor zehn Jahren. Besonders stark haben Berlin-Tegel und Düsseldorf zugelegt. Doch zeigt sich gerade dort, dass die Infrastruktur nicht mitgewachsen ist: Berlin wartet auf die Eröffnung des neuen Flughafens, der mittlerweile jedoch zu klein geworden ist für die gesamte Hauptstadt. Und in Düsseldorf fehlt das Sicherheitspersonal.

Die Assistenten am Flughafen arbeiten für gewöhnlich zu sechst pro Kontrollspur: Ein Mitarbeiter weist die Fluggäste ein, ein anderer bewacht den Monitor, drei Beschäftigte tasten Reisende ab oder kontrollieren Taschen. Im Idealfall transportiert ein sechster Kollege die Wannen für das Handgepäck. Auf diesen Sechsten verzichten sie nun manchmal in Düsseldorf, um Personal zu sparen. Alle 20 Minuten tauschen die Kollegen eines Teams die Aufgaben, um achtsam zu bleiben. "Trotzdem lässt die Konzentration nach zwei Stunden Standzeit am Stück nach", erzählt ein langjähriger Mitarbeiter. Deshalb folgte dann üblicherweise eine halbe Stunde Bereitschaftsphase ohne Kontrollen, bevor die nächsten zwei Stunden beginnen.