Finanzmarkt Kein Interesse an Commerzbank

Die französische Bank Crédit Agricole spricht sich gegen einem europäischen Bankchampion aus und will die Commerzbank nicht kaufen.

Von Meike Schreiber , Frankfurt

Braucht es in Zeiten von Protektionismus und Nationalismus nationale oder gar europäische Bankchampions, um der Übermacht der Wall-Street-Banken etwas entgegenzusetzen? Dieser Meinung sind nicht nur einige Bankmanager in Frankfurt, sondern auch der ein oder andere Bundesminister in Berlin. Jacques Ripoll, seit November 2018 Vorstandschef der Investmentbanking-Einheit der französischen Großbank Crédit Agricole, sieht das anders. "Es gibt keinen Bedarf, eine gigantische europäische Bank zu schmieden und es gibt auch keine Pläne, das zu tun", sagte Ripoll am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Frankfurt.

Europas Banken sollten zwar ausreichend groß sein, um wettbewerbsfähig agieren zu können, es gebe aber einen Moment, ab dem Banken zu groß und komplex würden. In Europa sei es zudem nach wie vor schwierig, grenzüberschreitend Bankdienstleistungen anzubieten. Mitgliedsstaaten und nationale Bankaufseher seien zu unterschiedlich. Crédit Agricole plant überdies keine Zukäufe in Deutschland. Man schaue sich zwar immer einmal Dinge an, aber: "Privatkundengeschäft in Deutschland ist nichts für uns."

Als möglicher Käufer der Commerzbank fällt Crédit Agricole damit vorerst aus. In Kreisen der Deutschen Bank war zuletzt der Eindruck erweckt worden, die Bundesregierung dränge auf einen Zusammenschluss mit der Commerzbank, weil nicht genannte ausländische Firmen kurz davor stünden, sich die Commerzbank einzuverleiben. In Berlin will man offenbar einen nationalen Bankchampion schaffen, auch um den US-Banken etwas entgegenzusetzen. Anzeichen für ein solches feindliches Übernahmeangebot gibt es bislang allerdings nicht. Auch in Kreisen der französischen Großbank BNP Paribas hatte man zuletzt durchblicken lassen, nicht an der Commerzbank interessiert zu sein.