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Finanzbranche:Bundesbank unterstützt Deutsche-Bank-Chef Sewing

Christian Sewing

Christian Sewing verbrachte fast sein gesamtes Berufsleben bei der Deutschen Bank. Mit 47 Jahren steht er nun an der Spitze des Geldhauses.

(Foto: Arne Dedert/dpa)
  • Nach drei Verlustjahren will der neue Chef Christian Sewing die Deutsche Bank wieder zu Erfolgen führen. Nun hat er sich an seine Mitarbeiter gewandt.
  • Sewing schreibt, er wolle mit "Jägermentalität" und harten Entscheidungen Steigerungen in allen Geschäftsbereichen durchsetzen.
  • In einem ungewöhnlichen Schritt äußerte sich die Bundesbank zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank.
  • Am Morgen nach dem Chefwechsel setzte sich die zuletzt gebeutelte Aktie der Deutschen Bank mit fast vier Prozent im Plus an die Spitze des Deutschen Aktienindex.

Die Bundesbank gibt dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Rückendeckung. "Christian Sewing habe ich als kompetenten Vorstand kennengelernt. Ich vertraue ihm und wünsche ihm alles Gute für diese Aufgabe", sagte Andreas Dombret, der noch bis Ende April im Vorstand der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist, der Süddeutschen Zeitung. Eine Äußerung von Bankenaufsehern zu einzelnen Instituten ist eher ungewöhnlich.

Dass sich der Aufsichtsrat entschieden habe, Sewings Vorgänger John Cryan noch vor Vertragsende 2020 abzuberufen, wolle Dombret hingegen nicht kommentieren: "Das ist eine privatwirtschaftliche Entscheidung in der Verantwortung des Instituts." Sewings Vorgänger zollte er Respekt. "John Cryan gebührt Dank und Anerkennung. Er hat das Institut umsichtig durch eine schwierige Phase geführt. Ich denke da vor allem an den Herbst 2016, als er mit dem US-Justizministerium die Strafhöhe für Vergehen auf dem US-Hypothekenmarkt verhandeln musste".

Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte am späten Sonntagabend in einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung des Aufsichtsrats den seit Mitte 2015 als Vorstandschef amtierenden Briten John Cryan durch Sewing ersetzt, einen der beiden bisherigen Stellvertreter. Es ist der dritte Chefwechsel in sechs Jahren.

Sewing fordert von Mitarbeitern "Jägermentalität"

Sewing will die Aufstellung der Investmentbank genau prüfen und hart durchgreifen. "Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen", schrieb er in einer Nachricht an die etwa 100 000 Mitarbeiter, die am Montag veröffentlicht wurde.

"Es gibt nichts, worauf wir uns ausruhen können", heißt es in der Mitteilung weiter. Deutschlands größte Bank müsse schneller und klarer entscheiden und besser zusammenarbeiten. Der Start ins Jahr 2018 sei solide gewesen, "aber 'solide' darf nicht unser Anspruch sein".

Der Westfale Sewing ist seit mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank und bestens vernetzt. Als Chef der internen Revision und Risikomanager hatte er auch Gelegenheit, den Investmentbankern auf die Finger zu schauen.

Das Führungsteam werde nicht mehr akzeptieren, dass Ziele auf der Kosten- und Ertragsseite verfehlt würden, so Sewing weiter. So sei es nicht verhandelbar, dass die bereinigten Kosten in diesem Jahr 23 Milliarden Euro überstiegen. "Rückschläge wie im vierten Quartal 2017 dürfen sich unter keinen Umständen wiederholen."

An der Börse kam der Wechsel an der Führungsspitze bei Deutschlands größtem Geldhaus gut an. Die Papiere schnellten im frühen Handel um 3,93 Prozent auf 11,80 Euro nach oben. Experten forderten einen Strategiewechsel. Sewing müsse "neue Akzente setzen, damit die Bank endlich zu profitablem Wachstum zurückfindet", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er müsse dringend Ruhe in die Bank bringen. Die Aktien des Dax-Konzerns waren im Zuge der allgemeinen Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen, aber auch wegen der Querelen um den Chefposten und Anzeichen eines schwachen Kapitalmarktgeschäfts im ersten Quartal in Richtung ihres Rekordtiefs aus dem Herbst 2016 gefallen. Damals kosteten sie weniger als neun Euro. Zum Vergleich: 2007 - vor dem Beginn der Weltfinanzkrise - hatten die Papiere noch mehr als 100 Euro gekostet.

© SZ.de/mesc/dpa/Reuters/irm/sks

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