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Finanzbranche:Anlegen und Gutes tun

"Marktplatz Gute Geschäfte" in München, 2019

Auch soziale Einrichtungen können eine Rendite abwerfen. Über einen Social Bond haben Anleger die Möglichkeit, dort zu investieren.

(Foto: Florian Peljak)

Vor allem junge Anleger möchten, dass ihr Geld Positives bewirkt.

Die Finanzbranche hat sich in den vergangenen Jahren auf die Suche nach "guten" Investments gemacht. Braunkohlewerke, Auto- oder Kunststoffindustrie gelten vielen Geldgebern aus Gründen der Umweltverträglichkeit als rückständig - zudem fehlt immer mehr Anlegern der tiefere Sinn, diesen Branchen Geld zu geben. Auch deshalb haben Sozialanleihen in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen. Im Kern geht es darum, dass Investoren gesellschaftlich wichtige Projekte finanzieren und dafür auch eine Rendite erhalten. Bislang konnten Privatanleger ihr Erspartes meist nur über Profiangebote in diese Bereiche stecken. Die Deutsche Kreditbank hat nun nach eigenen Angaben den ersten Social Bond begeben, in den auch Privatkunden investieren können.

"Vor allem jüngere Menschen interessieren sich für soziale und grüne Geldanlagen, sie möchten, dass ihr Geld etwas Positives bewirkt", sagt Brigitte Mayer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. "In diesem Angebot der Deutschen Kreditbank werden Anlagen in soziales Wohnen, Bildung und Forschung versprochen", sagt Mayer, allerdings werde so das Gefühl erzeugt, der Anleger würde direkt in Projekte investieren. "Doch das Geld fließt in Hypothekenpfandbriefe und somit in Immobilien", so die Verbraucherschützerin. Das müsse der Anleger wissen. "Ansonsten stehen wir Sozialbonds positiv gegenüber, es gibt allerdings nur sehr wenige Angebote für Privatanleger."

Es gibt verschiedene Ausprägungen von so genannten sozialen Wirkungskrediten, auf Englisch "Social Impact Bonds" genannt. Meist fließt privates Geld in Bereiche, die unter öffentlicher Verwaltung stehen. Beispielsweise Arbeitsämter und Gefängnisse. In Großbritannien begann man 2010, mit dieser Idee zu experimentieren. Privatinvestoren haben die intensive Betreuung von freigelassenen Strafgefangenen durch Hilfsorganisationen im Gefängnis von Peterborough finanziert, und zwar über ein Sozialunternehmen, deren Spezialisten dafür sorgen wollten, dass die Rückfallquote messbar zurückging. Die Betroffenen würden durch die gelungene Resozialisierung profitieren, und der Staat würde durch rückläufige Gefängnisurteile Geld sparen. Ein Teil der Ersparnis fließt dann als Rendite an das Sozialunternehmen und die Geldgeber. Das Projekt war ein Erfolg, weshalb die Idee populärer wurde.

Das Peterborough-Experiment, angestoßen von der britischen Regierung, gilt als Geburtsstunde der "Social Impact Bonds", die Sozialunternehmen einen Kredit zur Verfügung stellen. Ihre Aufgabe: Sie suchen innovative Wege, um soziale Probleme durch Marktmechanismen zu lösen. Hintergrund ist die Erfahrung, dass Behörden manchmal nicht effizient genug arbeiten.